Home

Über uns

Route

Berichte

Fotogalerie

Ausrüstung

Reisezitate

Links

Kontakt
Berichte Suedostasien/Europa
Berichte Australien
Berichte Neuseeland
Berichte 2009

 "Man entdeckt keine neuen Erdteile ohne den Mut zu haben alte Küsten aus den Augen zu verlieren."
(André Gide)

18.12.2009, Tairua

Am letzten Tag auf Rarotonga beginnt es morgens zu regnen...nein, es schuettet aus allen Kuebel. Man kann teilweise sein eigenes Wort nicht verstehen, so prasseln die Regentropfen auf das Dach des Aremango Guesthouse nieder und je weiter die Regenzeit Einzug haelt, umso heftiger werden die Niederschlaege. Da moechten wir nicht dabei sein... also auf in ein neues Land...auf einen neuen Kontinent. Wir werden die Gelassenheit und Ruhe der Cookislanders vermissen. Das ist es was wir von dort mitnehmen...Ruhe und Gelassenheit. Doch jetzt freuen wir uns auf Neuseeland...Aotearoa...das Land der langen weissen Wolke, das wir in 2006 bereits beradelt haben und von dem wir restlos begeistert waren.

Aber vor dem Vergnuegen kommt ja bekanntlich die Einreise nach Neuseeland. Wir kennen das noch von der Einreise beim letzten Mal...etwa 2,5 Stunden hat das Prozedere gedauert. Alle Schuhe rausholen und vorzeigen ob Dreck an den Sohlen haengt, die Raeder wurden ebenso gruendlich gecheckt und das Zelt war eine dreiviertel Stunde zur Inspektion weg. In dieser Hinsicht ist Neuseeland schon speziell. Aber man muss sich den Gepflogenheiten des Landes anpassen und so haben wir mit der Reinigung der Raeder, der Schuhe und des Zeltes einen ganzen Tag verbracht. Der "BIOHAZARD"-Kontolleur fragt ob wir aus Deutschland kaemen und laesst sich die Zeltheringe zeigen...die wuerden ihm sagen, wie mit dem Rest der Ausruestung umgegangen wuerde. Er schaut sich einen Hering an, laechelt und stellt fest: "Yes...this is the german standard.", wuenscht uns einen schoenen Aufenthalt und wir sind in Neuseeland. Nix Fahraeder und nix Schuhe. Dafuer haben wir uns stundenlang hingestellt und geputzt und gewienert? Da ist man fast in Versuchung den Grenzer aufzufordern sich das ALLES mal ganz genau anzuschauen. Schon nach 50 Minuten sind wir aus dem Flughafen und auf dem Weg zu unseren Warmshowers-Hosts Glenn und Steve.

Es ist Freitag abend und obwohl wir vom Flug und die beiden von der Arbeit geschlaucht sind, reden wir bis halb drei in die Nacht hinein uebers Radeln. Da die beiden auch schon die Westkueste der USA gefahren sind, haben wir ausreichend Stoff, den wir austauschen koennen. Am nechsten Tag muessen wir ins Zelt in den Garten umziehen, da Steves Sohn Liam mit zwei Freunden zu Besuch kommt um ein Konzert in der Stadt zu besuchen. "Christmas in the Park" gibt es in Auckland schon seit etlichen Jahren. Umsonst und draussen. Wir werden freundlicherweise aufgefordert mitzukommen und so geht es mit Kuehltaschen voller Essen und Trinken und Picknickdecken ab in die Innenstadt von Auckland und wir verbringen einen sehr schoenen Tag mit Sandwiches, Wein und Schokolade, einer tollen "Coca-Cola" Weihnachtsshow, grossartigen "Coca-Cola" Moderatoren und einem grossen Coca-Cola Feuerwerk. Aber das mit dem Feuerwerk kennen wir ja schon aus Vancouver. Kaum kommen wir auf einem neuen Kontinent an, bereiten uns dessen Einwohner ein riesiges Feuerwerk und es sind sicherlich 100.000 Leute gekommen um uns zu begruessen. Awesome!!!

Am naechsten Tag gibt es eine Stadtrundfahrt mit Steve und Glenn. Besonders beeindruckend ist ein Besuch im Yachthafen von Auckland, wo die Boote fuer den Americas Cup ankern. Doch nicht nur diese Boote sind beeindruckend. Die Werft die hier Luxussegelyachten baut ankert seine Boote hier und sehr, sehr reiche Segelyachtbesitzer tun dasselbe. Weniger als 20 m sollte euer Boot nicht haben, ansonsten erntet ihr nur mitleidige Blicke.

Am naechsten Morgen soll es fuer uns losgehen. Doch erst einmal werden wir von sehr heftigen Regenfaellen aufgehalten, die sich bis weit in Vormittag hineinziehen. Also koennen wir erst gegen 10 Uhr losfahren und stellen fest, dass wahrscheinlich Auckland die Hauptstadt der fahrradunfreundlichsten Autofahrer der Welt ist. Man wird beschimpft, angehupt und geschnitten und wir sind froh, als wir endlich die Stadtgrenzen erreichen. Erst als wir schon einige Kilometer aus der Stadt hinaus sind, muessen wir nicht mehr um unser Leben fuerchten. Der Verkehr nimmt ab und der Abstand mit dem einen die Autos passieren nimmt ein halbwegs ertraegliches Mass an. Allerdings muessen wir zum ersten Mal die Trekkingstoecke als Abstandhalter einsetzen. So haben wir es von der Suedinsel, auf der wir 2006 gefahren sind nicht in Erinnerung. Und da soll noch einmal einer behaupten, dass Radfahren in L.A. gefaehrlich sei.

Unser Weg fuehrt uns aus Auckland hinaus Richtung Coromandel Halbinsel durch gruene, bewaldete Huegel auf denen die obligatorischen Schafe weiden. Klar dass sich Englaender, Schotten und Iren hier wohlgefuehlt haben. Wie zuhause auf der koeniglichen Insel sieht es aus...also jedenfalls wenn man mal von den allgegenwaertigen Palmen, Orchideen und exotischen Voegeln absieht. Und die Huegel sind huegelig und haben es in sich. Manchmal faehrt man um eine Kurve und fragt sich: "Die Wand da soll ich hochradeln?" Allerdings haben diese schnurgeraden Auffahrten den Vorteil, dass es genauso in freiem Fall ohne Kurven nach unten geht. (Hey Phillipp, langsam tasten wir uns an deinen Geschwindigkeitsrekord heran...70,1 km/h. Wo war gleich noch diese Abfahrt in Australalien?) Zur Zeit bewegen wir uns auf der Coromandel Halbinsel und radeln entlang der Kueste Richtung East Cape. In Hahei, in der Naehe von Cooks Beach, nimmt Uwe ein kurzes Bad in den Fluten des hier...bibber...verdammt kalten Pazifik. Wo ist denn unsere Badewanne von den Cook Islands hin? Morgen beginnen hier die Sommerferien und dann soll es voll werden. Zu den ganzen europaeischen Touristen kommen dann auch noch die Kiwis und dann muessen wir mal sehen wo wir die Weihnachtsfeiertage verbringen werden. Wir treffen hier wieder auf jede Menge Radler (ueberwiegend aus Deutschland). Neuseeland scheint immer noch ein Lieblingsreiseziel der Deutschen zu sein, denn auf den Campingplaetzen hoert man fast ausschliesslich deutsch.

Wir haben neue Bilder fuer L.A., Cook Islands, New Zealand hochgeladen.

Kalifornien/Cook Islands

10.12.2009, Muri Beach, Rarotonga

L.A. und auf zu neuen Abenteuern

Nachdem wir uns von George verabschiedet haben, geht es mit dem Zug zurueck nach L.A. An der Amtrak sollte sich die Deutsche Bahn mal ein Beispiel nehmen. Nicht einfach ein Ticket kaufen und dann in den Zug einsteigen. Nein, man kann (und muss teilweise) sein Gepaeck aufgeben und dann ans Boarding Gate. Alte und behinderte Menschen werden mit Stretch-Golfwaegelchen (wir sind schliesslich in Amerika) zum Zug gefahren. Und das bei der Benutzung eines Regionalzuges. Da fuehlt sich der Kunde wie ein Koenig. Im Zug ist es dann nicht mehr so exklusiv und es gibt keinen Unterschied mehr zur deutschen Bahn. Nach 2,5 Stunden spuckt uns der Zug an der Union Station, dem Hauptbahnhof von L.A., mitten in der Stadt aus. Wir radeln zu Gabi und ihrer Familie, die uns fuer ein paar Tage zu sich eingeladen hat. Vom Bahnhof sind es gerade mal 17 Meilen durch den Stadtverkehr von L.A. Es ist jedoch schon dunkel, als wir in Marina del Rey ankommen. Gabi und ihre beiden Kinder Sabrina und Arya begruessen uns herzlich und ihr Mann Masoud kommt auch bald hinzu. Schnell fuehlen wir uns, als ob wir uns nicht erst an diesem Tag naeher kennenlernen, sondern als ob man zu Besuch bei alten Bekannten ist. Wir reden viel und lange und es werden dabei grosse Mengen Obst vertilgt. Die naechsten Tage verbringen wir damit Radkartons zu besorgen, wobei uns Gabi durch die halbe Stadt faehrt, die Rader zu putzen, viel zu reden und zu essen (viel Obst und sehr leckere selbstgemachte Marmeladen aus den im Garten angebauten Fruechten. Persimmons (Khaki) und Feigen zum Beispiel! Aus dem eigenen Garten wohlgemerkt!). Auch hier wieder Gastfreundschaft wie wir sie bisher nur hier kennengelernt haben.

Dale unseren ersten warmshowers-host besuchen wir auch noch einmal, weil Uwe dort seinen halben Hausstand vergessen hat und Ersatzteile fuer unseren Campingkocher dorthingeschickt wurden. Jetzt haben wir wieder einen allesverbrennenden Kocher. Wie sich herausstellt, lag bei dem von uns gekauften Kocher das falsche Werkzeug zum wechseln der Brennstoffduesen bei. Am 29.11. geht dann unser Flug auf die Suedhalbkugel. Wir verabschieden uns herzlich von Gabi und den Kindern und werden von Masoud mit unserem ginormous (eine symbiose aus gigantic und enormous...Danke Sabrina...und das Wort gibt es laut Woerterbuch tatsaechlich) Gepaeck zum Flughafen gefahren. Fuer lange Abschiedszenen bleibt dort keine Zeit. Eine Umarmung und wir schauen den Ruecklichtern des Wagens noch kurz hinterher. Durch die grosszuegige Hilfe von Gabi und Masoud ist unser Aufenthalt in L.A. in den letzten Tagen erheblich vereinfacht und vor allem verschoenert worden.

Doch am Flughafen von L.A. fangen auch schon die neuen Abenteuer an. Wer einmal mit einem Fahrrad geflogen ist, der weiss wovon wir sprechen. Das Schlimmste erwartend und darauf vorbereitet jede Menge Knueppel zwischen die Beine geworfen zu bekommen oder etwa 1.000 Dollar wegen Uebergepaeck zu bezahlen schieben wir uns zum Check-in. Doch wie ein Wunder hebt der Mitarbeiter von Air New Zealand nur einmal kurz den Kopf und bittet darum die Raeder auf die Waage zu stellen. Haeh? Hallo? Wir sind etwas perplex und koennen es gar nicht glauben. Der Mann an der Waage hebt die Kartons noch kurz mit dem Fuss an, damit sie zusammen auf knapp ueber 46 kg kommen und das war es. Die Raeder gehen als zweites Gepaeckstueck UMSONST, also ohne was dafuer zu bezahlen, mit in Richtung Rarotonga. Um 22.30 Uhr Ortszeit heben wir mit dem Flieger ab. Aus dem Flieger erkennen wir anhand der Lichter der Grossstadt erneut das Ausmass von L.A. Ginormous!!!

Mit Wehmut und feuchten Augen denken wir an unsere Zeit in Nordamerika zurueck. Wir koennen es kaum glauben, dass es erst 4 Monate her sein soll, dass wir in Frankfurt in den Flieger gestiegen und ueber den grossen Teich geflogen sind. Die grosse Menge an Eindruecken und Erfahrungen die wir bisher gesammelt haben, laesst diese Monate wie Jahre erscheinen. Jedenfalls reichen sie ueblicherweise fuer einen solchen Zeitraum aus. Wir denken zurueck an unsere ersten zaghaften Schritte zu Beginn der Reise in Vancouver und an die Ungewissheit wie sie weiter verlaufen wird. Wir denken zurueck an die Schoenheit der Natur und die riesige Ausdehnung des Kontinents, von dem wir nur einen Bruchteil bereisen konnten. Wir denken an die Orte an denen sich diese Schoenheit und Einzigartigkeit manifestiert hat (Icefield Parkway, die Kueste Oregons, Big Sur, Zion und Grand Canyon um nur einige zu nennen.) Aber vor allem denken wir an all die Menschen die wir kennengelernt haben und die uns den Aufenthalt so unvergesslich gemacht haben. Herauszuheben ist die unglaubliche Gastfreundlichkeit und Offenheit die uns entgegengebracht worden ist. Thank you and so long! Wir werden uns bestimmt wiedersehen.

Cook Islands

Nach 9 Stunden Flug landet die Maschine auf dem Internationalen Flughafen von Rarotonga mitten im Pazifik. Gerade noch Hightec, 24/7 Supermaerkte, Rushhour und dann entlaesst uns der Flieger auf einer kleinen tropischen Pazifikinsel. Groesser koennten die Kontraste nicht sein.

Der Flughafen auf Rarotonga ist winzig und besteht nur aus einem kleinen Gebaeude, in dem es ein Gepaeckband, drei Schalter mit Zollbeamten und einen Duty Free Shop gibt. Das ganze auf einer Flaeche wie sie in Terminal 2 des L.A. Airport der Starbucks einnimmt. Island Time halt! Als wir die Halle betreten, werden wir von einem Gitarre spielenden Inselbewohner begruesst, der mitten auf dem Gepaeckfoerderband steht und spielt. Es ist 5:40 Uhr morgens...ueblicherweise wuerden wir lachen und es als Tourigag abtun, aber hier passt es hin und wirkt gar nicht aufgesetzt. Island Time halt! Schliesslich ist es hier doch tatsaechlich normal, auf dem Moped keinen Helm, sondern Blumenkraenzchen zu tragen. Kia Orana! (Moegest du lange leben!) In welchem anderen Land bekommt man das zur Begruessung gesagt?

Schnell haben wir den Taxistand gefunden und zeigen dem verdutzten Fahrer unser Gepaeck. 2 Fahrradkartons, 2 grosse Saecke mit all unseren Fahrradtaschen und unser Handgepaeck. Aber er bekommt alles verstaut und so geht es auf zu unserem Guesthouse am Muri-Beach. Wir bekommen ein tolles Zimmer mit eigenem Garten, Terrasse und Haengematte, obwohl wir nur ein einfaches Zimmer gebucht hatten. Zu unserem Glueck war alles ausgebucht und so sind wir "upgegradet" worden. Yipieh!!!

Das Guesthouse liegt nur 25 m vom Strand entfernt, mitten in einem tropischen Garten. Es ist einfach, aber hat eine Kueche in der man sich selber verpflegen kann und ein Deck, auf dem man mit den anderen seine Mahlzeiten einnehmen kann oder einfach etwas abhaengt... was eigentlich jeder hier tut. Island Time halt, an die wir uns jedoch erst noch gewoehnen muessen. Unsere Gedanken haengen immer noch in Nordamerika oder wie sagte unsere Freundin Katja so schoen: "Die Seele reist langsamer als der Koerper und kommt den Eindruecken meist gar nicht hinterher." Wir warten jetzt darauf, dass unsere Seelen eine Einreisegenehmigung nach Rarotonga bekommen.

Ein typischer Inseltag besteht aus Schlafen, fruehstuecken, zum Strand, zurueck zum Guesthouse auf das Deck, mittag, schlafen, Deck, Abendessen, Spaziergang am Strand. Schlafen. Das Schoenste...jeder macht das so und man hat kein schlechtes Gewissen etwas zu verpassen.

Wir lernen Fredy und Sandra aus der Schweiz kennen und tauschen Reiseerfahrungen aus. Die beiden sind seit vier Monaten unterwegs (Suedafrika, Suedostasien, Australien und Neuseeland) und wieder auf dem Weg nach NYC, wo sie die letzten drei Jahre gelebt und gearbeitet haben, um ihre Sachen zu packen und wieder zurueck in die Schweiz zu gehen. Wir schaffen es immer wieder mit den Beiden die Zeit vom Fruehstueck bis zum Mittagessen zu verquatschen...manchmal auch die Zeit vom Mittag- bis zum Nachtessen...oder vom Nachtessen bis zum Schlafengehen. Great fun...hard life, isn't it?

Aber damit nicht der Eindruck entsteht, dass wir nur auf der faulen Haut liegen...wir haben die gefuerchtete Inselrunde auf dem "Highway 1" (die einzige Strasse auf der Insel) mit einer Gesamtlaenge von 32 km und keiner nennenswerten Steigung absolviert. Mit gemieteten Spitzenraedern. Als Sonderaustattung sind neben der verrosteten Kette und den aggressiv greifenden Bremsen vor allem die Gripshiftschaltung ohne Schaltzug und die Lenkerkoerbchen zu nennen. Da sagen wir doch..."und ab geht die Luzie!" Wir haben den Eindruck, dass die Cooks relativ urspruenglich sind und noch nicht vom Massentourismus uebernommen wurden. So gibt es keine der ueblichen Fastfood- oder Hotelketten auf Rarotonga (von der Ruine des Hilton mal abgesehen), dafuer jede Menge Obststaende und kleine Guesthouses oder Bungalows.

Die Frauen tragen Blumenkraenzchen im Haar und Maenner mit Roecken stolzieren durch die Gegend. Ueberall sieht man freilaufende Huehner und neben dem Guesthouse grasen friedlich ein paar Ziegen. Kein Stress, keine Hektik und viele lachende Gesichter.

Aber heute geht die Zeit im Paradies zuende. Es geht auf nach Neuseeland...! Bilder werden nachgeliefert.

27.11.2009, Los Angeles

San Clemente nach San Diego

Nur noch wenige Tage trennen uns vom Abschluss unserer Nordamerikatour. Die letzten 2 Fahrtage um genau zu sein. Es ist irgendwie wie ein bischen Schaulaufen. Leute mit denen wir uns am Strassenrand unterhalten gratulieren uns schon und die kurzen Etappen sind nicht einmal mehr anstregend.  Ein bischen Wehmut schwingt mit, aber auch die Vorfreude auf die Veraenderungen am anderen Ende der Welt. Die Kuestenstrecke zwischen Los Angeles und San Diego ist wohl der am dichtesten besiedelte Abschnitt an der gesamten Westkueste. Eigentlich haben wir seit Malibu die Stadt nicht mehr verlassen. Die heutige Tour fuehrt entlang des I-5. Um nicht auf den Interstate fahren zu muessen geht es ueber eine Strecke von 9 Meilen durch die USMC Base Camp Pendleton, einem Marines Corps Stuetzpunkt. Die Strecke ist nicht besonders schoen, aber dafuer sicher. Die Etappe endet in Carlsbad. Dort uebernachten wir bei den Stuarts unseren zweiten Warmshowers Gastgebern. Wir werden herzlich und wie selbstverstaendlich aufgenommen, so als ob Freunde zu Besuch kaemen. Die kleine Tochter wird ins Elternschlafzimmer verfrachtet und wir uebernachte in einem Traum in Pink. Das ganze Haus zeugt von der sportlichen Lebensweise der gesamten Familie. Raeder, Skier, Surfboards und ein Volleyballnetz, das quer durch den ganzen Garten gespannt ist. Ausserdem bezeugen wir Respekt, als uns Steve erzaehlt, dass er morgen um 04:30 aufsteht um erst mal eine Runde im Meer zu schwimmen und dann zu seiner Arbeit als Lehrer geht. Physical education. Was sonst. Auch fuer das leibliche Wohl wird gesorgt. Abends Tacos von Steve und morgens werden wir von Erin mit Waffeln versorgt. Great! Zu guter letzt bekommen wir noch selbstgemachte Suessigkeiten mit auf den Weg. Ausserdem erfahren wir, dass vor etwa 2 Wochen auch das Team Oesterreich hier uebernachtet hat ...und dass Philipp seine Haare jetzt modisch kurz traegt. Wo sind denn die Dreads hin?

So starten wir auf die letzten Meilen. Wir treffen uns mittags mit George (warmshowers) um mit ihm gemeinsam durch San Diego zu fahren. Alleine haetten wir auch den Weg gar nicht gefunden. George ist 68 und pensionierter Anwalt und hat schon einige grosse Touren gemacht. TransAmerika von Seattle nach Bosten, Underground Railway Trail vom Golf von Mexico nach Kanada, Radtouren in Spanien und auch in...Neuseeland. Respekt! Abends beim Anschauen der Fotos stutzt Simone und erkennt verwundert Burt. Wir hatten Burt zusammen mit Anne und Bernhard und unseren Schweizer Radelfreunden Sascha und Katja, an der Westkueste von Neuseeland getroffen. Es stellte sich heraus, dass auch George im Februar 2006 in Neuseeland geradelt ist. Vielleicht sind wir sogar aneinander vorbeigeradelt. So klein ist die Welt. In San Diego verbrachten wir dann sehr schoene Tage zusammen mit George, der uns das Gefuehl gab sehr willkommen in seinem Haus zu sein. George zeigte uns die kulinarische Welt von San Diego: Fisch-Tacos, Abendessen bei Souplantation, Burger bei Hodads (gigantisch). Wir durften sogar beim Fussballspiel seiner Enkelsoehne zusehen, was wir natuerlich mit Begeisterung taten. Doch irgendwann rief unsere Weiterreise und so machten wir uns mit dem Gefuehl auf den Weg nach L.A. einen guten Freund zu verlassen. Wir hoffen, dass wir uns eines Tages in Deutschland wiedersehen.

Unsere Zeit in Nordamerika neigt sich jetzt nach 4 Monaten dem Ende zu und wir brechen auf zu neuen Abenteuern. Bis bald. 

18.11.2009, Carlsbad

Roadtrippin' 2

Grand Canyon

Wenn man einen Bauern aus der Eifel oder ein Schulkind aus Japan fragen wuerde welche Orte in den USA ihnen bekannt sind, wuerde sicherlich der Grand Canyon genannt werden. So sehen jedes Jahr etwa 4,5 Millionen Besucher den Grand Canyon. Entsprechend ist dort alles professionell und generalstabsmaessig durchorganisiert. Shuttlebusse fahren all 15 Minuten von A nach B nach C nach D etc. Touren mit den Parkrangern werden angeboten, es gibt Lodges, einen General Store. Eine perfekte Infrastruktur. Anders waeren die Besuchermassen auch nicht zu bewaeltigen. Trotz der perfekten Organisation sterben jedes Jahr einige Leute, welche die zahlreichen Warnungen die ueberall angebracht sind nicht ernst nehmen. 250 muessen jedes Jahr aus dem Canyon gerettet werden, weil sie versucht haben an einem Tag von oben bis zum Fluss und zurueck zu marschieren...weil sie nicht genug Wasser dabei haben...weil sie mit mangelhafter Ausruestung losmarschiert sind. Auch wir haben so einige Spezialisten gesehen, die jenseits der Absperrungen am Canyonrand rumturnen nur um ein gutes Foto zu machen oder denken, dass es unten im Canyon einen Kiosk gibt wo sie eine kalte Cola kaufen koennen.

Der Nationalpark ist riesig. Nachdem man die Eingangskontrolle durchfahren hat sind es noch 14 Meilen bis zum Rim und den Campgrounds. Will man durch das Osttor hinaus sind es 25 Meilen. Der erschlossene Teil am Suedrand sind vielleicht 40 Meilen und das ist nur ein Bruchteil des Canyons. Von Suedrand bis zum Nordrand sind es Luftlinie gerade mal 13 Meilen. Will man dorthinfahren sind es 200. Um es anders zu sagen: Der Grand Canyon ist ein verdammt grosses Loch in der Erdkruste.

Auch hier ist es gut, dass wir so spaet im Jahr dran sind. Es sind viele Leute da, aber bei weitem nicht so viele wie im Hochsommer. Der Nachteil an dieser Jahreszeit: Der Grand Canyon liegt weit ueber 2.000 m hoch. Tagsueber T-Shirtwetter und nachts freezing cold. -2 Grad hat es in einer der drei Naechte die wir dort verbringen. Aber das Lagerfeuer, Tee und die Schlafsaecke lassen das Ganze zu einer netten Uebernachtung werden...wenn da nicht der Tee nachts auch wieder raus wollte...schnatter. Eine Wanderung des Canyonrandes, ein herrlicher Sonnenuntergang und ein Hike in den Canyon machen aus dem verdammt grossen Loch ein echtes Erlebnis. Etwas verdattert schauen wir uns eines nachts im Zelt an, als das entfernte Koyotengeheul ploetzlich direkt neben unserem Zelt erwiedert wird. Das Geheule hoert sich aus direkt neben dem Zelt ganz schoen unheimlich an. Da erwartet man, dass im naechsten Augenblick Mr. Werwolf den Reissverschluss des Zeltes aufmacht und eine Runde Tango tanzen will. Doch dieser Koyote will nur zu seinen Artgenossen und entfernt sich mit lautem Geheule wieder vom Campground.

 

Monument Valley

Nach zwei Tagen am Grand Canyon geht es dann weiter Richtung Osten zum Monument Valley. Die Strasse fuehrt ueberwiegend durch Indianerreservate. Ueberall gibt es Staende (Bretterbuden) an denen man Indianerschmuck kaufen kann. Die Haeuser und Ortschaften in den Reservaten wirken verwahrlost und runtergekommen. Alles ist sehr zugemuellt und Dutzende von Autos verrotten in den Hoefen der Wellblechhuetten.

Das Monument Valley selbst kommt am Nachmittag in unseren Blick. Die Kulisse ist aus vielen Western und anderen Filmen bekannt und wir sind recht beeindruckt. Allerdings truebt die Tatsache, dass wir nicht hineinfahren koennen etwas unsere Stimmung. Eine geteerte Strasse fuehrt nur bis zum Besucherzentrum und danach verbietet uns die Autovermietung weiterzufahren (ungeteerte Strassen duerfen wir nicht befahren). Also schauen wir uns die Felsenformationen von aussen an, was den Eindruck nicht schmaelert. Wir uebernachten im Gouldings Campground, wo wir einen unglaublichen Ausblick haben. Wir erleben einen herrlichen Sonnenuntergang und auch einen herrlichen Sonnenaufgang.

Heute wollen wir quer durch halb New Mexico nach Santa Fe fahren. Nach 5 Nationalparks haben wir uns mal wieder fuer eun bisschen Kultur (Santa Fe) entschieden.

 

Santa Fe

Die Fahrt nach Santa Fe fuehrt erneut durch endlose Stein- und Sandwuesten. Wir bleiben auf einem Campground etwa 60 Meilen ausserhalb von Santa Fe und fahren am naechsten Tah hinein. Santa Fe kann auf eine 400 Jahre alte Geschichte zurueckblicken, was fuer amerikanische Verhaeltnisse extrem lange ist. Die Stadt wirkt sehr homogen und sauber. In der Innenstadt gibt es keine Bausuende zwischen den Adobestyle Lehmgebaeuden. Im Hochsommer ist es hier bestimmt sehr touristisch, so aber mischen sich Einheimische und Besucher. Alles macht einen sehr entspannten Eindruck. Wir besuchen einige der vielen Galerien und Geschaefterln, wobei die Geschaefterln vielfach aus China imporierten Unfug fuehren. Schon seltsam, wenn Dinge die aussehen wie Native American Made in China produziert werden.

 

Back to L.A.

Die naechsten zwei Tage heizen wir zurueck nach L.A. Insgesamt sind wir in den 14 Tagen 3.000 Meilen gefahren. Soviel wie wir in den letzten 3 ½ Monaten mit dem Fahrrad zurueckgelegt haben. Nach zwei weiteren Naechten bei Dale machen wir uns wieder auf den Weg nach Sueden.

Endlich wieder auf dem Rad!

Gluecklicherweise ist es Sonntag und der Strassenverkehr ist bei weitem nicht so stark wie an einem Werktag. Vielleicht ueberleben wir deshalb in den Strassen von L.A. Scherz beiseite. Der Strassenverkehr hier ist sicherlich extrem, aber die Hoelle wie er von manchen Radlern beschrieben wird, ist er wirklich nicht. Die Fahrt fuehrt fuer einige Kilometer am Strand entlang. Redondo Beach und Hermosa Beach sind relaxte Nachbarschaften. Dann geht es ueber den Pacific Highway weiter vom Meer weg. Es geht durch ein kilometerlanges Einkaufsgebiet, dann durch den Hafen. Erst in Long Beach kommen wir an der Marina zurueck an den Pacific und es wird wieder ansprechender.

Waehrend wir bei unserem ersten Besuch noch geschockt ueber die Groesse der Stadt waren, stellen wir bei unserem zweiten Besuch fest, dass es sicherlich Ecken gibt in denen man gut leben kann. Andererseits ist ein Leben ohne Auto hier fast nicht denkbar.

nach San Diego

Wir brauchen einen ganzen Tag um aus L.A. wieder rauszufahren. Die erste Nacht verbringen wir in Huntington Beach und danach geht es weiter nach San Clemente. Da wir noch ausreichend Zeit bis zu unserem Weiterflug nach Neuseeland haben, bleiben wir noch eine weitere Nacht in San Clemente und verbummeln die Zeit am Strand mit eisessen und faulenzen. Nachdem wir in der ersten Nacht auf dem Hike & Bike Platz verbracht haben und die Regularien besagen, dass man nur eine Nacht bleiben kann, wird uns am naechsten Tag (aufgrund Uwes unglaublich charmanter Art) ein regulaerer Zeltplatz zugewiesen. Und das auch noch zum Preis des Hike&Bike Platzes.

 

So dass wars wieder mal von uns. Bis zum naechsten Mal.

11.11.2009, Santa Fe

Nachtrag Joshua Tree N.P.

Haben noch ein Paar Bilder eingestellt. Copyright Valeska und Philipp Schaudy.

08.11.2009, Monument Valley

Roadtrippin'

Nach 4.500 km auf dem Radl' und viel zuviel Zeit bis zum Abflug nach Neuseeland haben wir uns ein Auto gemietet und machen einen Roadtrip durch den Suedwesten der USA. Als Neuautofahrer koennen wir uns zum einen nur schwer an die Geschwindigkeit gewoehnen mit der die Landschaft an uns vorbeifliegt und zum anderen, dass wir jetzt auf Vorrat einkaufen koennen. Aber das mit dem Einkaufen geht recht schnell. Das mit der Geschwindigkeit weniger. Viele Bilder sind so schnell vorbei oder es gibt keine Gelegenheit anzuhalten. Andererseits macht der Trip Lust darauf mehr von den USA zu sehen.

 

Joshua Tree

Unser erster Stop ist der Joshua Tree National Park. Dort treffen wir uns mit Valeska und Phillip und Freunde von Ihnen aus Costa Mesa bei L.A. Der Campground liegt mitten in einer bizarren Wuestenlandschaft aus Fels und den Joshua Trees. Wie auch beim Icefields Parkway lassen sich die Eindruecke nur schwer beschreiben. Die Felsformationen sehen aus als seien es die gigantischen Murmelhaufen von Riesen. Die Joshua Trees die ihren Namen daher bekommen haben, weil sie so aussehen als wuerden sie mit erhobenen Armen zu Gott beten bedecken endlose Ebenen. Inmitten dieser Landschaft liegt der Campground. Es gibt dort kein Wasser, so dass wir das ganze Wasser (mehrere Galonen) mit uns im Auto dabei haben. Waehrend am ersten Abend (Wochenende) der Campground noch gut gefuellt ist, sind wir am zweiten Abend fast alleine. Leider heisst es auch Abschied nehmen von Valeska und Philipp, die nun mit grossen Tritten nach Mexico und weiter suedlich bis nach Ushuaia radeln. Wir hoffen sie in spaetestens in 2 Jahren in Bonn als warmshowers hosts wiederzusehen. Mit feuchten Augen wuenschen wir ihnen alles Gute. Till we meet again! Wir verbringen eine weitere Nacht in Joshua Tree die fuer uns unvergesslich bleiben wird. Der Campground ist soweit abgeschieden, dass man ausser der selbstgenerierten Geraeusche nur eines vernimmt...absolute Stille und das Geheule der Koyoten. Der Vollmond taucht die bizarre Landschaft in taghelles Licht. Unbeschreiblich. Wir sind bereits um 05:20 Uhr auf und geniessen den Sonnenaufgang. Sonnenaufgang und Pancakes zum Fruehstueck. Was will man mehr.

 

Route 66

I get my kicks...on Route 66...klingt es in unseren Ohren, als wir am naechsten Tag Richtung Vegas durch die Wueste brettern. Wir fahren ein Stueck auf der legendaeren Strasse, die frueher Mal eine der Hauptstrassen von Ost nach West gewesen ist, aber wegen der nahen Interstate Freeways zur Bedeutungslosigkeit verdammt wurde. So stehen in grosser Zahl Restaurants und Tankstellen leer und verrotten langsam. Aber das macht wohl den morbiden Charm der Strecke aus. Kaum mehr Menschen leben entlang des Teilstueckes das wir fahren. Wir sind fasst alleine auf dem Highway und das fuer Dutzende von Meilen. Uns begleiten nur kilometerlange Gueterzuege mit bis zu 7 Triebwagen deren Trasse entlang des Highways verlaeuft. Auch hier verspuert man die Weite und Einsamkeit dieses Landes.

 

Viva Las Vegas

Nach Vegas hinein geht es ueber den Interstate. Das Navi fuehrt uns zielsicher zum Sahara eines der alten Casinohotels am Nordende des Strips. Wir haben dort fuer sage und schreibe 42 Dollar (etwa 28 Euro) ein riesiges Zimmer bekommen. Nichts luxurioeses, aber ruhig und sauber. Die Jugendherberge in San Francisco hat das Doppelte gekostet und hatte das Klo auf dem Flur. Abends gehen wir los und laufen den Strip entlang. Das Pallazzo, das Treasure Island, The Mirage, The Venetian, das Paris, das Bellagio mit seiner gigantischen Wassershow, das MGM Grand liegen auf unserem Weg. Neonlichter ueberall. Viele Touristen laufen nur umher, aber es gibt auch viele die vollkommen versunken vor den Slotmachines sitzen und Dollar auf Dollar hineinstecken in der Hoffnung den grossen Coup zu landen. Ganze 4 Dollar verzocken wir im Casino. Am naechsten Morgen suchen wir etwas ausserhalb ein Cafe zum Fruehstuecken, werden aber nicht fuendig. Auf Nachfrage in einem Burgerschuppen (Arbys) werden wir zum Silver Nugget geschickt. Das Casino macht von aussen einen eher betagteren Eindruck. Als wir hineingehen, kommt uns eine Frau mit einem Bier und einer Zigarette in der Hand entgegen. Ach ja, es ist 10 Uhr morgens. Drinnen sitzen schon wieder oder immer noch die Zocker. Wir bekommen hier jedenfalls ein gutes (cholesterinlastiges) Fruehstueck. Eier mit Speck, Pfannkuchen und jede Menge Kaffee fuer kleines Geld und amuesieren uns ueber den ungewoehnlichen Ort unserer Nahrungsaufnahme.

 

Zion National Park

2,5 Millionen Besucher jedes Jahr sieht der Zion N.P. jedes Jahr. Gut das wir im November hier sind. Trotzdem sind noch einige Leute da. Man moechte sich nicht vorstellen wie es hier im Sommer aussieht. Der Zion N.P. hat sich bereits in ein sehr herbstliches Gewand gekleidet. Die Blaetter der Baueme sind gelb verfaerbt und bisher wussten wir gar nicht wieviele Varianten es von Gelb gibt. Die herbstlichen Farben der Blaetter bilden einen starken Kontrast zu den roetlich weissen Steilwaenden des Parks. Der Canyon koennte ohne weiteres als Kulisse fuer eine Szene aus dem Herrn der Ringe dienen. Bruchtal waere hier richtig. Aber keine Sonne ohne Schatten. Es sieht nicht nur herbstlich aus, auch die Temperaturen sind entsprechend. Tagsueber T-Shirt Wetter und abends wird hier die Windmaschine angeschaltet. Der erzeugte Wind droht fast unser Zelt wegzublasen.

 

Bryce Canyon

Nur 1,5 Stunden vom Zion entfernt liegt der Bryce Canyon auf 2.700 m. 2.700 m im November hoert sich nicht nur kalt an, sondern ist es auch. Am Eingang des Parks liegt sogar schon wieder Schnee. Der Parkranger meint jedoch, dass sie zur Zeit ungewoehnlich mildes Wetter haetten. Nur -3 Grad seien es gestern nacht gewesen. Prost Mahlzeit! Aber mit einem Campfire geht es schon und unter 0 Grad ist die gefuehlte Temperatur nicht gesunken. Der Bryce Canyon glaenzt mit seinen bizarren Steinformationen die in einem Wirrwarr von Labyrinthen angeordnet sind oder wie der Farmer Mr. Bryce anmerkte: It's a hell of a place to lose a cow. Leider koennen wir uns den Canyon nur von oben anschauen. Ein Hike in den Canyon koennen wir aufgrund der fehlenden Zeit nicht machen. So geht sicherlich ein grosser Teil der Magie des Bryce verloren. Schade, aber es warten fast 300 Meilen bis zum Grand Canyon auf uns. Roadtrippin halt!

 

Roadtrippin'

Waehrend die Nationalparks das i-Tuepfelchen sind, ist der eigentliche Star die Landschaft zwischen den Parks. Die 300 Meilen zwischen dem Bryce und dem Grand Canyon fuehren durch gemalte Wildwestromantik. In Utah stehen Pferde auf den gelben mit gruenen Bauemen gesprengelten Weiden, die bis zu den Bergen reichen, in Arizona faehrt man durch unendliche rote Wueste, die an den steilen bis zu 1.500 Fuss hohen Cliffs endet. Karl May und Legenden der Leidenschaft an einem Tag. Wer es nicht selber gesehen hat kann sich die unermessliche Weite des Suedwesten nicht vorstellen. Endlich koennen wir nachvollziehen welcher Anstoss hinter den ganzen Roadtripfilmen steckt.

So jetzt noch schoen Bilder gucken und bis zum naechsten Mal!

 

03.11.2009, Las Vegas, Nevada

Wir kommen in Lompoc recht spaet los, da wir noch Berichte und Bilder vor der Buecherei hochladen (wir haben ja jetzt Wi-Fi!). So kommen wir in die bruetende Mittagshitze und quaelen uns den letzten groesseren Anstieg vor L.A. bei ueber 30 Grad hoch. Tja, wir haben halt den Sommer eingeholt und schliesslich heisst es ja auch...it never rains in Southern California. Highway 1 und der 101 vereinigen sich wieder und die Radelei ist so entspannend wie eine Sonntagsradtour auf der A1.

Am naechsten Tag werden wir gluecklicherweise schon bald vom Highway 101 verbannt und muessen auf Nebenstrecken ausweichen. Kurz vor Santa Barbara kehren wir in die Java Factory ein und essen hier das erste wirklich gute Schokocroissant auf unserer Tour. Das Cafe ist echt relaxt. Guter Kaffee, gute Teilchen, Wi-Fi und klassische Musik laden zum verweilen ein. Unsere 2. Fruehstueckspause wird deshalb schon fast zum Lunchbreak, den wir dann in Santa Barbara machen. Santa Barbara ist Kalifornien wie man es sich vorstellt. Palmen, Meer, schicke teure Autos und eine sehr gepflegte Strandpromenade. Eine kurze Pause und weiter geht es. Schade, dass wir Kilometer machen muessen. Wenn wir nicht unter Terminstress (der arbeitende Teil der Bevoelkerung entschuldigt bitte die Wortwahl) nach L.A. unterwegs waeren, wuerden wir sicherlich zwischen Santa Barbara und Ventura einen Pausentag eingelegt haben. Jeden Kilometer laedt das Meer zum Baden ein. Unter Palmen. Ach, waere das herrlich. In einem kleinen Ort werden wir von einem Mann angequatscht...nein keine Drogen...sondern woher, wohin? Wie sich herausstellt hat er wohl gestern, als er "den surf gecheckt hat" mit einem Kanadier geredet, der auch von Vancouver nach San Diego unterwegs ist. Gross und schlank? Das muss Doug sein, den wir in Oregon getroffen hatten und schon in San Diego waehnten. Auch Geruechte, dass Paul nur ein oder zwei Tage vor uns faehrt, kamen uns schon zu Ohren. Da wir von L.A. wahrscheinlich ins Inland abbiegen werden, holen wir sie jedoch nicht mehr ein. Waere aber sicherlich ganz lustig geworden. Es ist schon spaet, als wir am McGrath State Beach, unserem heutigen Ziel ankommen. Wir werden von einem Schild empfangen. "Campground closed". Vor Monaten noch waeren wir bei dieser Nachricht in leichte Panik verfallen. Wo schlafen wir denn heute nacht? Aber mittlerweile sind wir in solchen Angelegenheiten abgebruehter geworden. Erst mal angucken fahren, den Campground Host fragen und siehe da: Hike und Bike geht und er schliesst uns die Duschen auf. Der Campingplatz wurde naemlich erst gestern zugemacht.

Der Weg nach L.A. fuehrt uns entlang des Meeres auf dem Highway 1. Man merkt die Naehe zu Hollywood. Wir fahren an zwei Fotoshootings und einem Filmdreh vorbei. Dafuer scheinen unendlich viele LKWs mit Ausruestung und Catering notwendig zu sein. Die Parkplaetze in der Naehe des Sets sind voll damit. Nichtsdestotrotz gibt es auf dem ersten Teil bis Malibu eine schoene Kuestenlinie zu sehen. Simone entdeckt sogar Delphine vom Ufer aus. Die Malibu City Limits beginnen bereits 15 Meilen ausserhalb der eigentlichen Stadt. Auf diesen 15 Meilen reiht sich ein Architektur(alp)traum an den anderen. Viel Geld ist halt nicht gleichzusetzen mit viel Geschmack. Nach der nicht sehr attraktiven Downtown kommt L.A. schon in Sicht. Endlos erstreckt sich die Bebauung am Meer entlang. Von Venice Beach rufen wir Dale an, der uns ueber die warmshowers-organisation eine Uebernachtung angeboten hat. Da der Weg bis zu seinem Haus zu kompliziert zu erklaeren ist, lotst er uns bis zu einem bestimmten Punkt und holt uns ab. Unterwegs zum Abholpunkt werden wir von einer freundlichen Radlerin angesprochen. Wie sich schnell herausstellt, kommt Gaby aus der Naehe von Hamburg, lebt aber schon seit etlichen Jahren in L.A. lebt. Sie hat sich vor wenigen Tagen mit Team Oesterreich unterhalten und mit Dale, bei dem Valeska und Phiipp ebenfalls unterkamen. What a small world it is! Sie bietet uns spontan an bei ihr zu uebernachten. Vielleicht kommen wir auf ihr nettes Angebot noch zurueck, wenn wir Ende November wieder in L.A. sind.

Mit Dale (www.dalestrumpell.com) und seinem Bruder Ken verleben wir einen sehr netten Abend. Wir kochen zusammen und bekommen Tipps was man in L.A. anschauen sollte. Dale ist unser erster Warmshowers-Gastgeber und wir sind froh, jemanden wie ihn erwischt zu haben.

Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Bus von Westchester aus nach Downtown L.A. und bekommen einen ersten Eindruck von den gigantischen Ausmassen der Stadt. Die Fahrt mit dem Expressbus dauert 1 Stunde. L.A.`s Ausmasse sind am ehesten mit dem Ruhrgebiet, denn mit irgendeiner anderen Stadt zu vergleichen. So sind Beverly Hills und West Hollywood eigenstaendige Stadte die vollstaendig vom eigentlichen Stadtgebiet L.A.s umgeben sind. Downtown L.A. besteht zum einen aus den Hochglanzfassaden der Verwaltungsgebauede, Konzerthallen und Banken, zum anderen aus den teilweise heruntergekommenen alten Hauesern, Geschaeftszeilen und Kino- und Theatersaellen des Broadway. Die Stadt erscheint uns hektisch und angespannt. Dale bringt dies in seinen Fotografien sehr gut zum Ausdruck. Wen es interessiert...mal auf Dales Seite schauen. Wir drehen eine grosse Runde an diesem Tag. Ganz besonders hat es uns die "Cathedral of our lady of the angeles" (Architekt: Jose Rafael Moneo, 2002) angetan, in der wir zur Mittagszeit eine sehr gut besuchte Messe miterleben duerfen. Ganz und gar nicht gefaellt uns Hollywood. 15 Minuten mehr braucht es nicht um den Rummel zu begutachten. Aber Dale, der jahrelang in der Traumfabrik gearbeitet hat, hatte uns schon vorgewarnt. Hollywood ist weder etwas Greifbares und auch kein Ort. Hollywood ist eine Idee. Der Rueckweg macht uns die Ausmasse der Stadt noch bewusster. 2 Stunden sind wir mit dem Bus unterwegs. Rush Hour...alles steht.

Am naechsten Tag faehrt Dale mit uns zum Getty Center in die Huegel im Norden L.A.`s. Die Oelmilliadaere haben dort fuer ihre riesige Kunstsammlung ein ebenso grosses Museum bauen lassen. Der Bau soll 1.2 Milliarden Dollar gekostet haben. (Architekt: Richard Meier) Aber die Stiftung musste aus steuerlichen Gruenden eben diese Summen ausgeben um ihren Status zu behalten. Also auch in den USA gibt es diese Steuerdingens...das Steuer...aehhh...ach was weiss denn ich. In jedem Fall ist das Gebaude sehr imposant und man hat einen herrlichen Ausblick ueber L.A. bis es im eigenen Abgasdunst verschwindet. Schliesslich gehen wir noch mit ihm zusammen ins FOX Theatre (Kino). Es ist eins dieser wunderschoenen alten Kinos mit Flair und einem Zuschauersaal der sicherlich 1.000 Leute fasst. Wer den Film Last Action Hero mit dem Gouvernator kennt, wird wissen was gemeint ist. Der Film "Where the wild things are" nach einem in den USA sehr populaeren Kinderbuch hat viel Atmosphaere und haelt einen waehrend der gesamten Zeit gefangen. Es ist natuerlich nicht nur ein Kinderfilm, sondern auch auf die Welt der Erwachsenen uebertragbar. Also Kinotip, falls er es bis nach Deutschland schafft.

 

Roadtrip

So, fuer die naechsten 2 Wochen lassen wir die Raeder bei Dale stehen und haben uns einen Wagen gemietet um die Nationalparks und Staedte im Landesinneren zu besuchen. Der Weg aus L.A. raus war jedenfalls schon mal ein Abenteuer. Die sechspurigen Freeways waren total verstopft. L.A. ist ein Moloch, aber ein Erlebnis.

CU, bis dann.

 

26.10.2009, Santa Barbara

Da soll noch mal einer meckern. Wir sind aktuell!!!

Die Strecke nach Monterey fuehrte uns durch ausgedehnte Erdbeer- und Artischockenfelder. Hier sieht man, dass Kalifornien ein Farmland ist. Auf den Felder hoert man jedoch nicht polnische Polkamusik, sondern Salsa. Hier werden die Felder naemlich von Mexikanern abgeerntet. In Monterey blieben wir zwei Naechte, um an unserem Pausentag das Monterey Bay Aquarium zu besuchen. Mit $30 Eintritt pro Person ist es zwar nicht billig, aber es hat sich in jedem Fall gelohnt. Das Aquarium ist in der ehemals groessten Sardinenfabrik der Westkueste untergebracht. Sowohl die Ausstellungspraesentation, wie auch die Umgebung sind echt Weltklasse. Die Wassertanks sind teilweise so gross, dass man sich fragt, wie dick das Glas sein muss um den Wasserdruck standzuhalten. Amazing, wie der Amerikaner sagen wuerde.

Nachdem es in der darauffolgenden Nacht auf der Hiker/Bikersite einen Polizeieinsatz wegen eines betrunkenen Obdachlosen (nein nicht Uwe) gegeben hatte, waren wir froh den Campingplatz wieder zu verlassen und es ging bei recht kraeftigem Regen weiter Richtung Big Sur. Zuerst jedoch ueber den 17 Mile Drive durch die Vorgaerten der Reichen und Schoenen. Der 17 Mile Drive ist eine Privatstrasse, die jedoch fuer Fahrradfahrer kostenlos befahren werden kann. Auf diesen Kilometern ist alles fein und sauber. Auf dem Golfplatz werden sogar die Muelleimer nach dem Leeren mt einem Lappen sauber gewischt. Die Haeuser sind riesig, fuer uns Normalsterbliche nicht erschwinglich und natuerlich mit einem traumhaften Blick uebers Meer ausgestattet.

Dann ging es durch Carmel, in dem Clint Eastwood einmal Buergermeister gewesen ist, Richtung Big Sur. Von vielen hatten wir gehoert, dass dies der schoenste Abschnitt der Westkueste und eine Traumstrasse der Welt sei. Mit dem Auto dauert es drei Stunden die kurvige und enge Strasse entlangzuheizen. Mit dem Radl sind es drei Tage. Und es ist tatsaechlich so. Wir erleben Big Sur wie es schoener nicht sein kann. Ja ganz schoen, denken wir anfangs noch. Doch dann geht es immer weiter an der Steilkueste hinauf. Die Strasse fuehrt teilweise ohne Mauer oder Leitplanke direkt am Rande der 300 m hohen Klippen vorbei. Schwindelerregend! Nach wenigen Kilometern muessen wir uns eingestehen, dass die Aussage der Leute stimmt. Eine Traumstrasse und wahrscheinlich einer der schoensten Flecken der USA. Wir wurden jedoch auch wegen des starken Autoverkehrs auf den engen Strasse gewarnt. Wie jedoch bei fast unser gesamten Tour waren die Autofahrer auch hier sehr ruecksichtsvoll. Die einzige gefaehrliche Situation wurde durch Uwe selber erzeugt, als er beim Bergauffahren mit der vorderen Radtasche den Bordstein touchierte und in Richtung Fahrbahn stuerzte. Gluecklicherweise waren am Morgen noch wenige Autos unterwegs, so dass der Sturz ohne weiteren Folgen blieb. Von den Schuerfwunden mal abgesehen. Aber dieser Tag war Material technisch gesehen eh rabenschwarz. Uwes Knie, Simones Fahrradhose und dann auch noch ein Loch im Hilleberg. Aaargh! Wenn es regnet dann richtig.

Dafuer gab es am Kirk Creek Campground oben auf den Klippen eine Aussicht, die unbezahlbar ist, uns jedoch nur 5 $ pro Person gekostet hat. So konnten wir beim Dinner sitzend den herrlichen Blick uebers Meer und den Sonnenuntergang geniessen. Zwar ohne Dusche und Trinkwasser, aber wen interessiert das schon. Schoen war ebenso die Episode mit der Frau die durch die Bikersites ging und erst mal Simone ein Gespraech aufzwang: I have serious question. We are running out of pot and my husband is getting a little bit nervous. Do you have pot to sell? Uwe verkauft Extasy und Simone Pot. Ok, scheinbar sehen wir doch aus wie Drogendealer.

Der naechste Radtag fuehrt uns weiter entlang der Steilkueste, die jedoch bei Ragged Point mit einer steilen Abfahrt endet. San Simeon ist unser heutiges Ziel und fuehrt am weltberuehmten Hearst Castle (oder "die Ranch") vorbei. Wem dies nichts sagt, dem sagt vielleicht Citizen Kane etwas. Mr. Hearst und sein Leben dienten diesem ebenso weltberuehmten Film als Vorlage. Kurzentschlossen fahren wir am naechsten Morgen die 6 Meilen zurueck zum Castle. Mit der Fuehrung um 08.20 Uhr werden wir mit einem Bus hinauf gefahren und durch das imposante Gebaeude gefuehrt. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte man an antiken Gegenstaenden so gut wie alles kaufen. Und das tat Herr Hearst. Hier einen 2000 Jahre alten Steinsarkophag, dort einen gigantischen Kamin aus einem franzoesischen Chateau des 17. Jahrhunderts und schliesslich spanische Chorstuehle aus einer Kirche des 15. Jahrhunderts. Das ganze schickt man seiner Architektin und die darf es dann ins Haus integrieren. Ein Outdoor- und ein Indoorpool wie es sie heutzutage nicht mal in einem 6 Sterne plus Hotel hat, dazu Filmstars wie Cary Grant, Greta Garbo oder mal einen Politiker wie Winston Churchill als Gast einladen und schon geht die Party. Wer die Gelegenheit hat, muss diese Zurschaustellung des fruehkapitalistischen Reichtums unbedingt anschauen. Ein Must Do.

Der Fahrtag beginnt erst um 12 Uhr und wird wieder mal laenger als wir das dachten.

An diesem Abend sind wir in Los Osos bei unserer liebenswerten Camping-Adoptiv-Familie eingeladen.Wir versuchen Ray ueber ein oeffentlichen Fernsprecher zu erreichen, doch der Apparat scheint defekt zu sein. Ein freundlicher aeltere Herr bietet uns an, fuer das Localgespraech sein Handy zu benutzen. Auch hier wieder ungeahnte Freundlichkeit. Schliesslich erreichen wir doch noch Los Osos, wohin wir von den O'Bryans und den Allmanns eingeladen worden sind. Wir naechtigen in Kims und Rays Haus zusammen mit 5 Katzen, von denen man allerdings nicht sehr viel hoert und sieht. Das gemuetlich eingerichtete Haus grenzt unmittelbar an ein Naturschutzgebiet und nur wenige Schritte aus der Hautuere heraus hat man einen gigantischen Blick ueber die Morro Bay. Wir freuen uns alle wiederzusehen und mit offenen Armen empfangen zu werden. Nach dem Dinner gibt es einen 7 1/2 Pfund schweren Schokoladenkuchen. Uwes Augen sind mal wieder groesser als sein Magen und nur mit sehr viel Willenskraft schafft er das zweite Stueck, dass er sich auf den Teller geladen hat. Der Kuchen ist echt eine Wucht und hat sicherlich 15.000 Kalorien. Danach gehen wir nach San Luis Obispo auf den Farmers Markt und mit jeder Menge guter Laune werden viele Fotos geschossen. San Luis ist eine der bisher wenigen Staedte in denen man sich vorstellen koennte zu leben. Gebaut um eine spanische Mission aus dem Jahr 1772 hat die Stadt einen suedliches Flair und strahlt eine Menge Lebensfreude aus. Auch ein Besuch im Madonna Inn wird arrangiert. Wir dachten, wir haetten an diesem Tag schon mit dem, Hearst Castle eine innenarchitektonische Glanzleistung gesehen. Das Madonna Inn ist eine Mixtur aus Dornroeschen und Las Vegas, Miss Piggy und den sieben Zwergen. Jedes der Zimmer hat ein anderes Motto und es gibt 200und Zimmer. Vom kitschigen Traum in rosa, ueber die Traveller Suite bis zur Caveman Suite. Wer sich den Spass fuer Preise ab 180 $ leisten kann, sollte es in jedem Fall tun.

Am naechsten Tag werden wir von Brenda und Richard erst in den Montana d'oro National Park gefuehrt. Nach einer kleinen Wanderung bei immer weiter steigenden Temperaturen geht es zum Lunch ins Hometown Buffet, wo es fuer 8,19 $ Essen bis zum Abwicken gibt. Uwe hat bald seinen Spitznamen weg. Hoove von Staubsaugen, weil er immer weiter Essen in sich hineinstopft. Eigentlich alles was ihm hingestellt wird. Danach geht es zum Einkaufen. Shopping, aber in Lebensmittellaeden. Brenda und Richard sind naemlich leidenschaftliche Essenshopper...und wir haben schliesslich auch immer Hunger. Trader Joes, CosCo, BevMo. Ganz besonders die Proebchen die es ueberall gibt haben es uns und Richard angetan. Wir haben einen Heidenspass und tragen schliesslich eine Familienpizza fuer den Abend nach Hause zu den Beiden. Das Haus der Beiden ist der Hammer. Eine riesige Sammlung von Kunst und Kitsch beherrscht das Haus. Es ist voll bis zum First mit Gemaelden, Plastiken, Schallplatten, alten Moebeln, einem riesigem Holzcowboy, einem Safe (wer weiss wofuer), Buechern, Porzellan etc. Die Beiden hatten uns schon vorgewarnt. Sie kaufen alles was ihnen gefaellt. Das Haus ist so voll, dass ein Umzug unmoeglich ist. Das Beste von allem ist, dass es zu jedem Stueck eine Geschichte gibt. Irgendwie passt nichts zusammen und doch ist alles stimmig. Sie scherzen darueber, dass Kim eines Tages diese ganze Chaos ausraeumen muss. Es wuerde Jahre dauern bis alles bei Ebay versteigert waere. You can touch the dust, but don't write in it, ist einer der Sprueche die an der Wand zu lesen ist und auf den wir von Brenda und Richard mehrfach hingewiesen werden. Wir verleben ein einen weiteren schoenen Abend mit Pizza, Wein und Bopit! Flickit! Wir fuehlen uns bereits jetzt in die Familie aufgenommen und sind ob der Gastfreundschaft fast schon beschaemt, da wir gar nicht wissen wie wir dies jemals zurueckzahlen koennen. Zwei wirklich verrueckte Tage nehmen ein Ende. Kim und Ray fahren mit uns auf ihren Raedern zusammen am naechsten Morgen bis weit hinter San Luis Obispo. Wir verabschieden uns schweren Herzens. Wir haben uns bei ihnen wie zu Hause gefuehlt und wir sind uns sicher Freunde gefunden zu haben, die wir hoffentlich alle irgendwann einmal wiedersehen.

Doch auf geht es zum naechsten Abenteuer => L.A.

Der Weg dorthin fuehrt von der Kueste weg ins Landesinnere. Durch endlose Felder und Farmland. Da wir spaetestens am 27. Oktober in LA sein wollen gibt es erst einmal eine 110 km lange Etappe nach Lompoc. So kommen wir erst recht spaet auf dem River Park Campground an. Die Fahrt war anstrengend und es ist recht kalt geworden, da der Himmel sich zugezogen hat. Neben uns hat sich eine Gruppe Motorradfahrer eingerichtet. Wir gruessen freundlich und werden, bevor wir ueberhaupt das Zelt aufgebaut haben, eingeladen. Sie hatten ein riesiges BBQ und viel zu wenig Leute. Wir sollten uns bitte einfach etwas nehmen und uns zu ihnen gesellen. Wir bauen das Zelt noch kurz auf und nehmen die Einladung sehr gerne an. Natuerlich gibt es noch Nachtisch und nach zwei Stuecken Pie sind die Kalorienspeicher wieder aufgefuellt. Wir sind begeistert von der Gastfreundschaft und bedanken uns am naechsten Morgen noch einmal sehr herzlich.

25.10.2009 Lompoc

Ooooooops, schon wieder soviel Zeit ins Land gezogen. Jaja, schon gut.

Also wir muessen zuerst einmal zugeben, dass wir uns geirrt haben. In den letzten Tagen haben wir so viele nette, grosszuegige und hilfsbereite Amerikaner kennengelernt, dass unsere erste Aussage ueber die offene Art der Amerikaner so nicht stehen bleiben kann. Aber dazu spaeter mehr. Weiter im Text.

Wir fahren am naechsten Tag bis zur kleinen Stadt Gold Beach wo wir der Dame im Visitors Centre erst einmal erklaeren muessen welche Campingplaetze in ihrer Stadt denn auch Zeltplaetze haben. Jedenfalls erwischen wir einen schoenen, wenn gleich auch stuermischen und nicht ganz billigen RV Park. Zwischen den ganzen Big Rigs und riesigen Campervan sah unser Zelt recht winzig aus und manche Radlerkollegen behaupten schliesslich wir koennten darin noch Zimmer vermieten. Der starke Wind hatte sich am naechsten Morgen gelegt und es strahlte wie fast waehrend unserer ganzen bisherigen Tour die Sonne vom blauen Himmel. Nur ueber Uwe schien eine kleine schwarze Wolke zu haengen. Gestern beim Aufbauen des Zeltes rammte er sich einen Hering in die Handflaeche, was zu einer blutigen und schmerzhaften Wunde fuehrte und heute beim Einhaengen der vorderen Ortliebtaschen fragte er sich, was wohl unten aus der Tasche fuer eine Fluessigkeit heraussickerte. Geschickt hatte er mit dem Weltstecker die Dose mit dem uebriggebliebenen Bier gehimmelt. Das Malheur brachte jedoch zwei Erkenntnisse: Wenn aus einer Ortiebtasche unten Fluessigkeit heraustropft ist sie undicht und Bier abends immer austrinken.

Von Gold Beach aus geht es mit grossen Tritten Richtung Kalifornien, dem Land des Gouvernators Arnold "Hasta la Vista" Schwarzenegger. Fuer uns bestand bis vor kurzem die Westkueste der USA ausschliesslich aus Kalifornien. L.A. und San Francisco, Hollywood und die Golden Gate sind die Inbegriffe des entspannten Amerikas. Mit diesen Gedanken naeherten wir uns mit jeder Menge Vorfreude der Grenze. Grenze? Ja. Es gibt tatsaechlich eine Agricultural Inspection durch die jeder der von Oregon nach Kalifornien "einreist" anhalten muss. Es ist naemlich illegal z.B. Aepfel aus Oregon mit nach Kalifornien zu nehmen. Da wir wieder mal wieder die ueblichen Fragen zu unserer Strecke gestellt bekamen (Woher? Wohin? Wieviele Meilen am Tag?) und nicht ob wir Obst oder aehnliches bei uns haetten, fuehrten wir illegal in Oregon gekaufte Aepfel ein. Oh my god! Was wir jedoch nicht wussten: Das Verbot gilt nicht fuer in Kalifornien produzierte Aepfel die nach Oregon exportiert wurden und jetzt wieder reimportiert werden. Also doch nicht illegal. Und da sagt nochmal einer, dass die Roemer spinnen.

Kalifornien

Also radelten wir ins gelobte Land und fragten uns nach wenigen Metern bereits wo denn das "Welcome to California"-Schild war. An das riesige "Auf Wiedersehen in Oregon"-Schild konnten wir uns erinnern. Hatten wir es schon verpasst? War der Staat schon so pleite, dass es als Altmetall verkauft worden ist? Wir haben es jedenfalls nicht gesehen. So konnten wir auch kein Foto machen, was insbesondere Simone ausgeprochen aergerte.

Unser erster Stop in Kalifornien war Crescent City das unseren ersten deprimierenden Eindruck von Kalifornien vermittelte. Viele Laeden waren geschlossen, Obdachlose und Gralssucher standen vor dem Safeway und bettelten, die Leute sahen eher abgerissen aus und es fuhren jede Menge alte und verrostete Schrotthaufen durch die Strassen. Ein Bild, das wir von der Kueste Oregons nicht kannten. Dazu kam, dass die Buecherei am Montag geschlossen war und es doch tatsaechlich kein Internetcafe in der Stadt gab. Ja es gab sogar nicht mal ein halbwegs ansprechendes Cafe in dem man entspannt einen Kaffee trinken konnte. Es kam einem vor, als ob man ein komplett anderes Land betreten haette. Vorher noch das adrette Oregon und hier eher Mexico? Kein einladendes Erlebnis zu Beginn der Reise durch Arnolds Staat. So machten wir uns mit gedaempften Erwartungen auf Richtung Sueden in die Redwoods.

Entlang des Highway 101 ging es weiter. Hier in Nordkalifornien ist es mit der Romantik des one-o-one allerdings vorbei. Auf fast seine gesamte Laenge ist er zu einem vierspurigen Freeway verkommen ueber den ohne Ende Trucks und Autos rasen. Wir sind jedes Mal froh, wenn die ausgeschilderte Bike Route auf Nebenstrassen ausweicht. Diese sind zwar nicht leichter zu fahren, aber mit weniger Verkehr und immer wieder hart erstrampelten, aber lohnenden Ausblicken ueber die Steilkueste und die kilometerlangen Straende. Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt durch den Redwood National Park. Hier geht es ueber den Parkway abseits des 101 durch einen Wald mit den bis zu 3.200 Jahre alten und bis zu 120 m hohen Redwoods. Hier trifft der Audruck: Den Wald vor lauter Baeumen nicht sehen zu, denn wie maechtig diese gigantischen Baeume sind, kann man nur anhand des Umfanges ihres Stammes am Boden erahnen. Da nur diffuses Sonnenlicht bis zum Waldboden vordringt, ist es sehr kalt und feucht. Um uns ein wenig aufzuwaermen hatten wir auf dem Praerie Creek State Park unser erstes selbstgemachtes Campfire in 3 Monaten. Dort merkten wir zum ersten Mal, dass es herbstelte. Die Blaetter verfaerbten sich gelb und die Nachttemperaturen sanken in Richtung "ich trag auch meine Muetze im Schlafsack"-Temperaturen ab. Grosse Teile des State Park Campground waren schon geschlossen und auf der sehr grossen Hike'n Bike Flaeche waren wir die einzigen Camper. Alles hatte etwas von Abschied vom Sommer nehmen.

Der naechste Tag sollte uns nach Eureka bringen. Hier gab es erneut die Erkenntnis, dass die schoensten Ausblicke hart erstrampelt werden muessen. So z.B. bei Trindad. Arcata kurz vor Eureka bietet neben einem netten Stadtbild, Cafes und Geschaeften, jede Menge alternatives Publikum. Hier beginnt langsam das "gruene" Kalifornien. An jeder Ecke gibt es irgendwas "organic" und natuerlich auch die allgegenwaertigen Gralssucher. Die Gralssucher(auch Transients oder Trustafarias genannt) findet man ueberall in Nordkalifornien. Sie sind nicht wirklich Obddachlos, was ihre Intention ist, weiss man allerdings auch nicht. Sie hitchhiken die Kueste hoch und runter, scheinbar ohne Ziel. Fotografieren kann man sie auch nicht, da sie sofort zu Staub zerfallen. (Aussage von Simone) Die Stadt verleitete uns einen Pausentag einzulegen, was nicht nur unseren Beinen etwas Erholung verschaffte. Wir lassen es uns bei herrlichstem Sonnenschein im Cafe sitzend gut gehen.

Am naechsten Tag rollen wir weit abseits des Highways durch dichtes Farmland. Auch das ist Kalifornien. Kuehe ueberall. Vor Rio Dell treffen wir zwei Radler aus Oesterreich mit denen wir uns auf Anhieb verstehen. Obwohl wir schon Mittagspause gemacht haben, gesellen wir uns im naechsten Ort zu ihnen. Valeska und Philipp sind schon etwas laenger on the road. Wer etwas ueber ihr Projekt lesen will (www.2-play-on-earth.net). Die Strecke fuehrt jetzt glueklicherweise abseits des one-o-one ueber den parallel fuehrenden alten Highway. Wieder geht es durch den alten Redwoodforest. Die Avenue of Giants hat ihren Namen nicht umsonst und ist noch beeindruckender wie die Strecke durch den Redwood Nationalpark. Es gibt nur ganz wenige Autos, da alles ueber den nahen Freeway brettert. Die Baume sind nicht weniger maechtig, die Stille jedoch groesser. Wie die Saeulen einer Kathedrale saeumen die Redwoods die Strasse. Einfach ist einfach herrlich durch diesen Wald der Giganten zu radeln. Still dahinzugleiten und die Stille zu geniessen..

Am Abend campen wir zusammen mit Valeska und Philipp und es wird viel erzaehlt und gelacht. Am naechsten Morgen sind wir erstaunt ueber die Schnelligkeit mit der die Beiden ihre Sachen verstauen und zum Aufbruch bereit sind. Da hat das Team Oesterreich eindeutig die Nase vorne. Man verabredet sich zum Lunch, trifft sich allerdings schon bei der ersten Kaffeepause wieder und radelt mehr oder minder im gleichen Tempo zusammen bis zum naechsten Lagerplatz.. Am Abend wird bei doch sehr kalten Temperaturen bis spaet bei Tee und Keksen erzaehlt. Es ist wieder Muetzenwetter und wir tragen alle Lagen die wir dabei haben.

Am naechsten Tag wird dem 101, der mittlerweile weit ins Inland abgebogen ist "Auf Wiedersehen" gesagt und bei Leggett auf den Highway 1 zum Meer hin abgebogen. Leider muss dafuer der Leggett Hill und ein weiterer steiler Berg ueberwunden werden. Die Auffahrt zum Leggett Hill ist nicht so arg, wie immer wieder beschrieben wird. Die Abfahrt ist dagegen echt krass, lang, kurvig und kalt. Wir ziehen unsere langen Radhandschuhe an und das Buff unter den Helm. Unsere Fuesse wollen nach der Abfahrt, bis wir endlich das Meer erreichen, gar nicht mehr auftauen. Der Rest der Tagesetappe ist durch die vielen Abfahrten und Auffahrten viel anstrengender als die dauerhafte Aufwaertsstrampelei am Berg. Nach einer Weile hat man das Prinzip verinnerlicht. Linkskurve, steile Abfahrt, enge Rechtskurve, kurze Bruecke, enge Rechtskurve, steile Auffahrt, Linkskurve. Das wiederholt sich ohne Ende. Philipps Hoehenmesser zeigt so ohne weitere zwischen 800 und 1200 Hoehenmeter am Tag. In Fort Bragg ist unser Tagessoll eigentlich erfuellt. Valeska und Philipp ueberreden uns jedoch noch 10 weitere Meilen bis zum Van Damme State Park (hat glaube ich nix mit Jean-Claude zu tun) weiterzuradeln. Da wir uns mit den Beiden serh gut verstehen haben, braucht es nicht viel und wir verbringen erneut einen lustigen Abend.

Am naechsten Tag ist jedoch Abschiednehmen angesagt, da wir bis Point Arena fahren und dort einen Pausentag einlegen wollen. Valeska und Philipp zieht es jedoch in grossen Spruengen nach San Francisco. Das bei unserer Reise vom Autoverkehr und nicht von wilden Tieren die groesste Gefahr ausgeht, zeigt sich kurz nach unserem gemeinsamen Lunchbreak. Einen Laster aus der Gegenrichtung hat es in einer engen Kurve ins Schleudern gebracht und er ist quer ueber die Fahrbahn geschlittert. Waeren wir 5 Minuten frueher losgefahren, waeren wir wohl genau an dieser Stelle gewesen... Aber haette und waere sind arme Leute. Kurz darauf erreichen wir Point Arena. Der Lonely Planet schreibt darueber...laid back...you can spend several days... Ja...laid back ist richtig...besser waere noch...gaehn...wie langweilig. Darueberhinaus ist der Campingplatz der beschrieben wird nicht mehr geoeffnet. Also nochmals 14 Meilen mit Team Oesterreich nach Gualalalalala (oder so) und ein weiterer Abend gemeinsam kochen und erzaehlen.

Am naechsten Tag jedoch fahren die beiden weiter, waehrend wir unseren Pausentag machen. Der Abschied faellt nicht leicht, aber wir wollen uns in S.F. auf einen Kaffee treffen, wenn es in den jeweiligen Zeitplan passt. An unserem Pausentag wollten wir eigentlich Waesche waschen, Gasvorraete beschaffen und in die Buecherei und die Homepage aktualisieren. Hmmm, wir sind etwas verwundert, dass es in einer Stadt mit angeblichen 2.000 Einwohnern keine Buecherei gibt. Der einzige Laden den man fuer Internetsachen aufsuchen kann, will $ 12 die Stunde haben. Wi-Fi gibt es natuerlich ueberall, aber wir haben keinen Computer dabei. Also geben wir $ 10 aus um uns endlich eine Unterkunft in S.F. zu suchen. Mit der Homepage wird es wieder nichts.

Wenn es dunkel wird im Wald...

Kurz nachdem das Abendessen beendet ist und die Dunkelheit sich ueber den Zeltplatz senkt, hoert man sie kommen. Erst ein leises Knacken von Zweigen und dann blitzen auch schon die kleinen gelben Augen in der Dunkelheit auf. Die Banditen sind da! Langsam naehern sie sich unserem Lager um zu schauen was man gebrauchen koennte. Sie wollen kein Geld, keine Kamera und auch keine Fahrraeder. Sie wollen nur eins...dein Essen...

Auf dem County Park wimmelt es vor Waschbaeren, die keine Scheu vor Menschen haben. Obwohl wir alles Essbare in die Futterboxen eingeschlossen haben, versucht einer von ihnen eine Ortliebtasche aus dem Vorzelt zu klauen. Und der Dieb will auch nicht loslassen, als Uwe am anderen Ende der Tasche zieht. Erst der Einsatz des Trekkingstockes laesst ihn aufgeben und verschwinden. Aber wir haben seine Fingerabdruecke auf der Tasche und Uwes Rad gesichert und den US Behoerden uebergeben. Vielleicht wollten Sie aber auch nur ein paar Fitnessuebungen an unseren Raedern machen. So ein Felgaufschwung am Oberrohr macht halt Eindruck bei den Waschbaerdamen

Auch am naechsten Tag in Bodega Bay haben wir kein Glueck und koennen auch hier unsere Homepage nicht aktualisieren. Wieder das alte Spiel. Keine Buecherei, kein Internetcafe. Aber wir lernen Russ und Laura kennen, deren Projekt es ist , die Grenzen der USA abzufahren (www.pathlesspedaled.com). Im Moment schwimmen wir auf einer Welle von Radfahrern mit, die man auf den Hiker/Biker Sites der State Parks jeden Abend wiedertrifft. Mit manchen kommt man ins Gespraech und man unterhaelt sich angeregt, mit manchen hat man nichts zu erzaehlen und nach einem woher und wohin verebbt das Gespraech. Alle haben aber gemeinsam, dass sie nicht Urlauber, sondern Reisende sind. Jeder aus einer anderen Motivation heraus und mit einem anderen Ziel, aber trotzdem gehoert man einer Gemeinschaft an... und irgendwie hat jeder irgendwen getroffen, den man auch schon getroffen hat. Uns sind am liebsten die, die sich nicht fuer deine Statistiken, sondern fuer deine Erlebnisse und Geschichten interessieren.

Wir bleiben fuer drei Tage auf dem Taylor State Park etwa 54 km ausserhalb von S.F. und fahren nach Fairfax rein, um in die Buecherei zu gehen...die natuerlich Freitags geschlossen hat. Zum Haare raufen. Wir sind es jetzt leid und werden uns in S.F. nach einem Netbook umschauen. Auch in Fairfax merkt man den Beginn des "gruenen" Amerika. Organic, Hybridautos, viele Radfahrer, das Biketoberfest etc.

Dass "gruen" scheinbar auch mehr Drogen heisst merken wir, als Uwe von einem jungen Kerl an der Bushaltestelle gefragt wird, ob er denn vielleicht Extasypillen verkaufe wuerde. Nee, klar. Sehen wir schon aus wie Drogendealer? Vielleicht haetten wir ihm eine Magnesiumtablette fuer 15 Dollar verkaufen sollen. Naja, kurze Zeit spaeter kam der Drogendealer und der arme Kerl war wieder glueckich.

Dann machen wir uns auf den Weg nach S.F. und sind schon ein wenig aufgeregt.

San Francisco

Das Wetter ist nicht das Beste und die Frage kommt auf, ob wir die Golden Gate Bruecke ueberhaupt sehen werden. Wie werden wir uns nach jetzt schon fast drei Monaten "Wildnis" in der grossen Stadt zurechtfinden? Nachdem wir nach Fairfax reingefahren sind, hoert die Stadt nicht mehr auf. Fliessend geht Fairfax in San Anselmo, nach Ross, nach Sausalito ueber. Alles schoen, aber wir wollen zur Golden Gate. Noch ein Berg und dann sehen wir sie. Es ist zwar diesig, aber sowohl die Bruecke, als auch die Stadt ist zu sehen. Nach mehr als 3.500 km stellt die Golden Gate schon einen Meilenstein fuer uns dar. Hier wollten wir ankommen und hier sind wir. Wir freuen uns und machen Fotos. Die Fahrt ueber die Bruecke wird jedoch von einem eiskalten Wind verweht.

In San Francisco uebernachten wir im HI Hostel am Union Square und sind ueberrascht, als wir beim Warten in der Eingangshalle auf Hanna treffen. Hanna haben wir schon auf dem Sunset Beach State Park bei Coos Bay kennengelernt. So klein ist die Welt. Das Wetter ist alles andere als gut. Die Auslaeufer eines Tropensturms treffen die Stadt und vor allem den Bereich suedlich davon. Dort faellt an einem Tag etwa ein Viertel der gesamten Jahresniederschlagsmenge. Das Wetter bremst unseren Einkaufswillen jedoch nicht und wir sind jetzt stolze Besitzer eines Netbooks. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr von wegen Buecherei geschlossen und so (allerdings wirft uns jetzt web.de Knueppel zwischen die Beine und das bereits seit fast 2 Wochen). Ansonsten machen wir einige Touristensachen (Cable Car, Chinatown, Fisherman's Wharf), aber lassen ueberwiegend die Stadt auf uns wirken. Wir sind von San Francisco begeistert und saugen die Atmosphaere in uns auf. Besonders Chinatown hat es uns angetan. Ausserdem geniessen wir es fuer vier Naechte mal wieder ein Dach ueber dem Kopf zu haben, im Bett zu schlafen und unsere Essenvorraete nicht verteidigen zu muessen. Wir treffen auch Valeska und Philipp wieder, bevor diese zur Audienz bei Gouvernator fahren. Wir freuen uns, dass wir die Beiden wiedersehen und treffen uns auch noch einmal am uebernaechsten Tag mit ihnen und hoeren die Geschichte ueber das Treffen mit Arnold Schwarzenegger. Fuer L.A. haben wir uns auch schon mal verabredet. Da die beiden allerdings Karten fuer ein U2 Konzert in L.A. haben, wird es nichts mit der gemeinsamen Fahrt dorthin, da die beiden sich beeilen muessen. Am neachsen Tag starten wir vom Hostel Richtung Half Moon Bay. Die Fahrt durch die Stadt zieht sich endlos hin. Aber jetzt geht es weiter an den angeblich schoensten Abschnitt der gesamten Westkueste. Richtung Big Sur. S.F. verabschiedet uns mit Nieselregen und dichtem Nebel. Doch etwa 10 km ausserhalb der Stadt strahlt wieder die Sonne von einem blauen Himmel herab. In Half Moon Bay uebernachten wir auf einem sehr schoenen State Park der sehr grosszuegige Hiker/Biker Sites hat und der unmittelbar am Meer liegt. Da wir es versaeumt hatten eine neue Gaspatrone zu besorgen, wollten wir hier unseren allesverbrennenden Kocher auf Benzin umruesten. Uwe hatte an der Tankstelle die wohl kleinste jemals dort gezapfte Menge Benzin (0,3l) fuer 29 Cent (mit Kreditkarte) erworben. Aber was soll man sagen. Die bisher genutzte Gasduese hatte sich so festgefressen, dass sie sich nicht mehr loesen liess und wir ohne Brennstoff da sassen. Wir aergerten uns masslos, weil dieser verdammte Kocher schliesslich 170 Euronen gekostet hat und wir jetzt lediglich einen teuren und schweren Gaskocher haben. Also wollten wir es in der Stadt nochmal versuchen eine Patrone aufzutreiben und gegebenenfalls etwas fuer die kalte Kueche zu kaufen. In diesem Moment kam Richard vorbei. Uwe hatte ihn in Half Moon Bay nach dem Weg zum State Park gefragt. Sie (er, seine Frau Brenda und die Tochter Kim und Schwiegersohn Raymond) wuerden gerade ein Feuer machen, ob wir nicht rueberkommen wollten. Wir erklaerten unser Problem und nahmen die Einladung fuer spaeter an. Natuerlich wurden wir nicht fuendig und wir kamen mit kalter Kueche zum Campground zurueck. Uns wurde angeboten die Microwelle zu nutzen und ob wir Gurken, Mayo oder Humus haben wollten. Wir lehnten dankend ab und nach unserem Abendessen gingen wir rueber und hatten einen sehr netten Abend. Wir bekamen Tourenvorschlaege und wohin wir fahren sollten und wohin nicht...und dass wir sie in jedem Fall besuchen sollten wenn wir San Luis Obispo erreichen. Die vier waren extrem gastfreundlich. Fuer den naechsten Abend verabredeten sie sich mit uns auf dem New Brighton State Beach Campground. Gut, sie wuerden auf jeden Fall dort sein. Fuer uns waere es ein Ritt von 60 Meilen gewesen. Da wir ausserdem wegen des wohl coolsten VW-Busses in Suedkalifornien (siehe Bilder) erst spaet loskamen, glaubten wohl am allerwenigstens wir daran die 60 Meilen zu schaffen. Dazu kam, dass das Streckenprofil alles andere als flach war. Wir legten also keine grosse Hektik an den Tag un strampelten nach Santa Cruz. Erst einkaufen, dann noch eine Gaspatrone besorgen. Obwohl es schon fast 17:00 Uhr war wollten wir es doch noch schaffen. Allerdings ist die Ausschilderung der Bike Route hier eine kleine bis mittlere Katastrophe. Waehrend der Suche nach dem Weg fragte ein parallel fahrender Radler wohin und woher und wir fragten zurueck, wie wir zur Bike Route kommen wuerden. Das sei was schwierig er wuerde uns hinbringen...ach was soll es meinte er, er wuerde mit uns bis zum State Beach fahren. Es wuerde fuer ihn keinen Unterschied machen, ob er in diese oder jene Richtung sein Workout mache. Matt machte sein Workout...mit seinem Roadbike pruegelte er die Steigungen hoch und wir hechelnd hinterher. Im Gespraech ergab sich, dass er am vorherigen Tag Valeska und Philipp getroffen und sich mit ihnen unterhalten hatte. Auch hier wieder...so klein ist die Welt.

Es daemmerte bereits, als wir nach mittlerweile 61 Meilen am Campground ankamen. Wir bauten gerade das Zelt auf, als Kim zu uns kam und mit unglaeubigem Gesicht meinte, dass sie nicht daran geglaubt haetten uns hier zu sehen. Wir seien ihre Helden. Wir sollten nach dem Duschen rueberkommen. Sie haetten genug zu essen. Wir braeuchten nicht zu kochen. Wir nahmen die Einladung dankend an. Es gab Enchilladas, Salat, Maiskolben, Schokokuchen mit Vanilleeis und erneut die Einladung sie in San Luis Obispo zu besuchen. Auch an diesem Abend hatten wir wieder viel Spass und freuten uns ueber die ausgesprochene Gastfreundschaft.

Am naechsten Morgen gab es bei der Verabschiedung von den Vieren noch eine Wegzehrung naemlich Muesliriegel und Loleta Havartikaese. Es wurden Bilder gemacht und das Versprechen abgenommen, dass wir sie besuchen kommen. Kaum aus dem State Park gab es das alte Problerm. Eine maessige Ausschilderung. Mittlerweile ist uns nichts mehr zu bloede und der naechste Radfahrer der sich nicht versteckt wird angequatscht. Brad und seine Frau Coleen meinten den Weg zu erklaeren sei zu kompliziert. Sie wuerden mit uns fahren. So begleiteten sie uns durch die Stadt und erst ein Defekt der Kette an Coleens Rad stoppte uns. Noch kurz den restlichen Weg erklaert ein kurzes Schwaetzchen und los ging es nach Monterey.

Washington State + Oregon

01.10.2009 Arcata, Northern California

Ooops! Jetzt ist es schon fast einen Monat her, dass wir was eingestellt haben.  Wir sind nicht verschollen, aber auf der Strecke auf der wir gefahren sind wurde die Internetversorgung immer spaerlicher (Hinterland und State Parks) oder die Buecherei hatte am Montag geschlossen und es gab in dem gottverlassenen Kaff kein Internetcafe. Soviel zum Land der unbegrenzten Moeglichkeiten.

Nun, den Grenzuebertritt in die USA haben wir ohne Probleme hinter uns gebracht. Entgegen der vielfachen Horrorgeschichten ueber die Schikanen der Grenzbeamten haben wir keinerlei Schwierigkeiten gehabt. Professionell und unverbindlich wurde uns die Einreise und ein Visum fuer 3 Monate gewaehrt. Schon waren wir in den USA.

Was hat sich alles geaendert zu Kanada? Die Farbe des Geldes ist anders, der Einkauf ist wesentlich guenstiger (vor allem der Alkohol!!!), es gibt Haribo (jipie!!!!!), das Tal in dem wir zu Beginn gefahren sind heisst nicht mehr Okanagan, sondern Okanogan, aufgrund des Umweltbewusstseins der Amerikaner wird jegliche Verpackung aus dem Auto geworfen deren Inhalt leergetrunken oder gegessen wurde. Dementsprechend sind die gut ausgebauten Seitenstreifen mit Glasscherben uebersaet. Umweltschutz lebt halt vom mitmachen! God bless America.

Auch haben wir das Gefuehl, dass die Amis wesentlich zurueckhaltender und keineswegs so offen Fremden gegenueber sind wie die Kanadier. Keine Frage. Wir treffen hier auch auf sehr nette und aufgeschlossene Menschen und es handelt sich auch bei den USA um eine serviceorientierte Gesellschaft, aber irgendwie...HABEN WIR UNS HALT IN KANADA VERLIEBT UND WOLLEN EIN BISSCHEN RUMSTAENKERN!!!

Die ersten vier Fahrtage ging es durch das Flusstal des Okanogan und des Columbiarivers. Da wir die gruenen ueppigen Waelder Kanadas gewoehnt waren gab es hier eine ziemlich krasse Umstellung. Die Taeler liegen im Regenschatten der North Cascades Mountains und es faellt so gut wie kein Regen. Es herrscht ein wuestenartiges Klima und alles was nicht kuenstlich bewaessert wird ist braune Steppe. Kaum Baueme, nur Strauecher. In den ganzen Tagen zwischen Oroville und Leavenworth haben wir gerade mal drei kleine Wolken gesehen. Ansonsten strahlendblauer Himmel und Temperaturen um die 35 Grad. Nicht nur die Landschaft und die Temperaturen, sondern auch die Unmenge an mexikanischen Wanderarbeitern und das die meisten Hinweisschilder in Supermaerkten und State Parks in englisch und spanisch waren gab uns das Gefuehl bereits in Suedkalifornien zu sein und nicht an der Nordgrenze der USA.

In dieser Einoede waren wir dann in Chelan sehr ueberrascht, eine nette kleine Stadt vorzufinden die uns aufgrund ihrer Lage am Lake Chelan dazu veranlasste, bereits gegen Mittag den Fahrtag fuer beendet zu erklaeren. Da die Stadt noch von Urlaubern ueberquoll war es nicht einfach eine Uebernachtungsmoeglichkeit zu finden, doch Uwe mit seinem unvergleichlichen Charme konnte auf einem Campingplatz mitten in der Stadt noch einen Platz auf den Walk-in-Plaetzen ergattern. Das langersehnte Eis und ein Rundgang ueber die stattfindende Autoshow mit ihren aufgemotzten Amischlitten rundeten den Tag ab. Abends gab es music on the bridge und bei Liverockmusik wurde auf der Bruecke abgerockt.

Die Fahrt endete in Leavenworth, wo wir uns am naechsten Tag wieder mit Doris treffen wollten. Leavenworth wurde uns schon als bayrische Kleinstadt angekuendigt und wir ahnten schlimmes. Doch das Gegenteil war der Fall. Bayrischer kann auch Oberammergau nicht sein. Es ist zu vermuten, dass ein ganzes Dorf in Bayern abgebaut und in Leavenworth wieder aufgebaut worden ist. Als uns ein alter Mann, der in Tracht gekleidet war auf englisch hinterherschrie, wir sollten gefaelligst mit den Raedern vom gottverdammten Gehsteig verschwinden fuehlten wir uns erst richtig nach Bayern versetzt. Uwe bekam jedenfalls sein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht raus. Es gab Brezeln und Hefeweizen, Schweinebraten und Rotkohl. Einfach ein Erlebnis. Nicht Amerika und doch wieder Amerika.

In Leavenworth hat uns unsere Radelfeundin Doris mit dem Auto eingesammelt und wir sind gemeinsam nach Astoria gefahren. Doris hatte sich kurzfristig entschlossen sich uns anzuschliessen und die Oregon Coast hinunter zu radeln. Sie hatte diese Tour sowieso fuer September geplant, aber ihre Reisepartnerin war leider verhindert und so hat sie sich uns angeschlossen.
Also sind wir an einem regnerischen Dienstag in Astoria gestartet. Doris hat uns 10 Tage, bis Coos Bay begleitet. Die Strecke war teilweise sehr anspruchsvoll, mit vielen, teils steilen Anstiegen ueber mehrere Kilometer. Aber wir haben jeden Abend ein koestliches Dinner gezaubert und ein Glaeschen Rotwein dazu getrunken.
Die Oregon Coast ist traumhaft schoen und bietet immer wieder tolle Ausblicke, nette kleine Orte und einsame Straende. Wir haben jeden Tag dort sehr genossen und waren schon ein bisschen traurig, als Doris uns wieder verlassen hat, weil es wie in alten Neuseeland-Tagen war. Aber wir sind jetzt stolze Besitzer ein Tischdecke... Danke Doris!!!

Der erste Radeltag an der Oregon Coast hat uns alles abverlangt: steile Anstiege, eine Tunneldurchfahrt, ploetzlich aufziehender Nebel und eine Ankunft am Campingplatz im Halbdunkel. Aber es sollte besser werden... die Sonne kam in den naechsten Tagen zum Vorschein und wir sind von State Park zu State Park geradelt. Mittlerweile haben wir uns an das Kuestenradeln gewoehnt und und dass gleichmaessige Rauschen der Pazifikwellen wiegt uns am Abend in den Schlaf. Eine tolle Einrichtung und super guenstig fuer Hiker und Biker. Mit nur 4 $ pro Person ist man als Radfahrer dabei. Die Hiker und Biker Plaetze liegen meist etwas separat und so hat sich jeden Abend die kleine Radfahrgemeinde getroffen. Leider ist unser Zelt morgens selten trocken geworden, da morgendlicher Nebel ueber allem lag und es handelt sich hierbei um nicht irgendeinen Nebel. Es ist alles klitschnass, als ob es geregnet haette. In Newport haben wir einen Pausentag eingelegt, um die mueden Radfahrerbeine zu erholen. Hier haben wir uns erst mal eine ordentliche Portion Fish und Chips gegoennt und die Seeloewen am Pier beobachtet. Newport ist auch der Ort wo "Free Willy" im Aquarium zu Hause war. Aber jetzt die schlechte Nachricht: Free Willy ist tot... Und schon ging es weiter Richtung Sueden. Doch nach weiteren drei sehr schoenen Tagen trennte sich Doris von uns. Coos Bay hiess der Ort des Abschiedsnehmens und der kam sehr schnell und ploetzlich. Der Flughafen Shuttle brachte Doris exklusiv nach Astoria zurueck. Fuer uns ging es nun mit einer dicken Traene im Auge alleine weiter.
Auf der naechsten Hiker und Biker Site, die vielleicht 30 qm gross war, tummelten sich schnell 5 Zelte. Doug, Brian und Hannah waren ebenfalls mit den Radern Richtung Sueden unterwegs und wir verbrachten einen sehr netten Abend mit Lagerfeuer und Rotwein.
Am naechsten Tag standen uns die seven devils bevor und wir koennen bestaetigen, dass es wirklich teuflisch war. Irgend ein Spassvogel hat immer wieder nette Kommentare auf die Strasse gepinselt. Hill Nr. 2: Let the fun begin! Was fuer ein Spass!
Am naechsten Abend traff sich die kleine Radfahrertruppe am Humbug Mountain State Park und wir trafen auch Paul einen englischen Radreisenden wieder, den wir bereits in Lincoln City zum ersten mal gesehen hatten. Paul hat als Endziel Ushuaia in Argentinien geplant und wir druecken im ganz fest die Daumen, damit er die Strecke durchhaelt (
www.myredtube.com). Paul hat uebrigens auch ein aehnliches Hillebergzelt wie unseres und Brian warnte Simone nicht aus versehen ins falsche Zelt zu klettern. Simone antwortete schlagfertig, dass sie es spaetestens am Aussehen der Typen feststellen wuerde, welches das richtige Zelt sei. Aber Danke fuer den Tip Brian!
Am naechsten Tag trennten sich aber dann wieder unsere Wege, da jeder in seinem eigenen Tempo unterwegs ist. Vielleicht trifft man sich unterwegs nochmal...ansonsten: Ride on!

So, dann haben wir die Uni von Arcata genug geschaedigt und ihre Computer blockiert. Bis zum naechsten Mal.

Kanada

Lake Louise - Okanagan Valley

09.09.2009 Peachland (Okanagan Valley)

Nachdem wir Lake Louise verlassen hatten wartete zuerst der Kicking Horse Pass auf uns. Wie der Name schon sagt wild und ungestuem. Ich kann nur sagen die Hoelle...wenn man von Golden aus in Richtung Lake Louise faehrt. In unsere Richtung kaum zu merken. Simone legte ein gutes Tempo vor, waehrend Uwe mit Chris (einem der verwegenen Panamericanafahrer www.panamericantour.net) quatschte. Ploetzlich ging es bergab und ab die Post. Der Pass lag hinter uns und es folgte eine lange kalte Abfahrt.

Doch der naechste Pass wartete schon auf uns. Roger's Pass! Zwar nur etwas mehr als 1.300 m, aber er zaehlt angeblich zum haertesten was der Westen Kanadas zu bieten hat. Jeder der fragte wo es denn lang gehe zog die Augenbrauen hoch und sagte etwas wie: "Nun wenn ihr das meint. Viel Spass." Die junge Dame in der Touriinfo von Golden meinte nur: "It will be a grind!" Was soll man sagen! Sie sollte recht behalten. Es war eine Schinderei. Der Highway 1 fuehrt durch den Glacier N.P. der sehr an die Alpen erinnert und den 23 m (!!!) Schnee im Winter zu einem der lawinengefaehrdetsten Gebiete der Welt machen. Erst nach etwa 65 km beginnt der Anstieg zum Pass. Nach der Haelfte der Strecke (wegen einer falschen Berechnung dachten wir es waeren nur noch wenige hundert Meter bis zur Passhoehe) waren wir einhellig der Meinung, dass der Sunwapta Pass oder der Kicking Horse von Golden aus wesentlich schwieriger sei, doch es zog sich und zog sich und zog sich und... Der extrem schmale Seitenstreifen, Trucks direkt neben uns, Glasscherben in den Tunneln ohne Platz auszuweichen und der stetige Anstieg kosteten uns Nerven und die letzten Reserven und als wir endlich oben waren gab es nur die einhellige Meinung: Der Roger"s Pass ist mit das haerteste was wir bis zu diesem Zeitpunkt gefahren sind.

Ein Eis war wesentlich wichtiger als sich im Museum mit dem Bau der Strasse zu beschaeftigen und nach einem schnellen Foto am Denkmal ging es auf den Campground (Illecilleirgendwaet). Schliesslich rettete uns ein kaltes Bier das uns Anja und Frank, die mit ihrem Camper neben uns standen, ueber den Zeltaufbau hinweg. Nach dem Abendessen luden uns die netten Rheingauer auf ein warmes Plaetzchen am Feuer und noch ein kaltes Bier ein und wir redeten bis spaet in den Abend hinein. (So ein Camper hat auch seine Vorteile. Vielleicht kann jemand mal einen Kuehlschrank fuer Ortliebtaschen erfinden.) Auf diesem Weg nochmal vielen Dank fuer das Bier und den schoenen Abend. Wir hoffen, dass wir uns nach unserer Rueckkehr mal auf  einen Schoppen Wein im Rheingau treffen. Am neachsten Morgen ging es weiter. Jetzt bergab bis zu den Canyon Hot Springs, wo wir uns im 40 Grad warmen Wasser garziehen liessen und das traumhafte Wetter vor einer traumhaften Landschaft genossen.

In Revelstoke folgten wir dem Rat von Wolfgang und Doris und verliessen den Highway 1 und schlugen den Weg Richtung Needles an den Arrow Lakes ein. Nach den stressigen verkehrsreichen Tagen auf der Autobahn eine Erholung fuer die Sinne, aber nicht fuer die Beine. Nichts da von wegen "entlang des Sees" fuehrte der Weg wie die Karte versprach, sondern schoen ueber dem See. Also lange Anstiege und kaum Abfahrten. Ausserdem bremsten uns zwei Platte an diesem Tag aus. Eingefahrene Metalldraehte aus den scheinbar staendig platzenden Reifen der Trucks waren die Ursache. Als wir die Faehre bei Shelter Bay erreichten, beschlossen wir das unser Tageswerk hier enden sollte. Nachdem wir einen Platz auf dem Provincial Park Campground ausgesucht hatten, begann Uwe die Reifen zu flicken und Simone fing an, angesichts der sich in der Schwuele des Nachmittags bildenden Gewitterwolken, das Zelt aufzubauen. Wie aus dem Nichts wurde der Wind staerker und es braute sich ein regelrechter Sturm zusammen. Der gerade noch still daliegende See war ploetzlich aufgewuehlt und der Wind trieb hohe Wellen vor sich her. Unser Hilleberg hielt den Boen stand, doch das Zelt der Nachbarn drohte wegzufliegen und wir befestigten die schon ausgerissenen Heringe wieder im Boden. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und der Wind legte sich, doch um uns herum grollte der Gewitterdonner. Unsere Nachbarn, Ragna und Steve, hatten das Pech, dass die Wellen ihr Boot umgestuerzt hatten und sie ein Grossteil ihres fishing gears verloren hatten. Nachdem der erste Schock ueberwunden war, ueberwog die Erleichterung, dass bei der Rettungsaktion niemand verletzt wurde und so wurden bis in den Abend hinein, bei heftigen Blitzen und Donnergrollen aus Richtung Revelstoke und Nakusp, einige Flaschen Bier getrunken und erst der einsetzende Regen und das naeherrueckende Gewitter beendete den geselligen Abden. (Thanks again for the beer and the nice evening, guys! And yes, the Monashee was a WOW climb!!!.)

Am naechsten Tag haben wir mit der (kostenlosen!) Faehre ueber den See uebergesetzt und sind nach einem kleinen Zwischenstop an den Halcyon Hot Springs nach Nakusp geradelt. Nakusp ist ein schnuckliger kleiner Ort mit einer lebendigen alternativen Szene. Das Wetter fuer die kommenden Tage sah nicht sehr gut aus, aber da wir bereits in Peachland erwartet wurden, sind wir weiter in Richtung Fauquier geradelt. Das erste Gewitter hat uns gleich an der Faehre zum Arrow Lake Park erwischt und nach wenigen Kilometern folgte schon das Zweite. Es blieb uns nichts anderes uebrig, als uns vor dem heftigen Hagelschauer und Gewittersturm in ein einsames Bauernhaus an der Strasse zu fluechten. Eigentlich wollten wir uns nur unter das Scheunendach unterstellen und das ganze Spektakel vorbeiziehen lassen, aber die liebenswerte alte Dame bat uns in ihr Wohnzimmer, damit wir uns am Holzofen aufwaermen konnten. Dankbar nahmen wir das Angebot an. In der ganzen Gegend war der Strom ausgefallen, da ein Baum auf die Stromleitung gekracht war. Daher versammelte sich die ganze Familie erst mal am Ofen auf ein Schwaetzchen.

Der Tag blieb verregnet und nachdem wir in Fauquier unser Zelt aufgebaut hatten, sind wir in der oertlichen Truckerkneipe erst mal einen Burger essen gegangen. Die Burger schmeckten herrlich und wir wurden in der voll besetzten Kneipe ganz schnell zum Hauptgespraechsthema. Die Leute konnten kaum glauben, dass wir jetzt schon seit 6 Wochen durch Kanada geradelt sind und dass ganze auch noch fortsetzten wollen.... Oh my God !!!

Gut dass wir uns am Abend gestaerkt hatten, weil es am naechsten Tag ueber die Monashee Range ging. 20 km stetig bergauf und kein Ende in Sicht... Nach jeder Kurve fragten wir uns  Kathmandu oder Everest Base Camp. Nach 80 Kilometern kamen wir ziemlich erledigt am Gold Panners Campground in Cheryville an.

Am naechsten Morgen haben wir es langsam angehen lassen, da nach 6 harten Fahrtagen sich die Lust aufs pedallieren in Grenzen hielt. Am oertlichen Farmer Market haben wir uns erst mal ein zweites Fruehstueck gegoennt. Kaum sassen wir wieder im Sattel, kam ein hupender roter Wagen vorbeigefahren, mit unserer Radelfreundin Doris, die wir vor drei Jahren in Neuseeland kennengelernt hatten. Wir sind uns erst mal in die Arme gefallen und waren total ueberrascht sie hier zu sehen. Doris hatte sich Sorgen gemacht, dass wir in schlechtes Wetter geraten koennten und war uns mit dem Auto entgegen gekommen.

Schnell wurde alles ins Auto geladen und ab ging es Richtung Peachland im Okanagan Valley. Noch kurz ein Zwischstop im Sushi-Restaurant und schon sassen wir bei Doris und Wolfgang in ihrem wunderschoenen, gemuetlichen Heim.

Doris sollte Recht behalten und sinnflutartiger Regen, Gewitter und Hagel setzten ein. Gut dass wir nicht mehr auf der Strasse waren. Wir geniessen jetzt schon seit vier Tagen die herzliche und grosszuegige Gastfreundschaft der Beiden. Wir koennen richtig die Seele baumeln lassen und werden kulinarisch verwoehnt. Die Kochkuenste unserer Gastgeber sind fantastisch (Gourmetrestaurant Casa Lupo) und wir geniessen das ein oder andere Glaesschen Wein zusammen.

Das Okanagan Valley ist bekannt fuer Obst- und Weinanbau, aufgrund seines heissen und trockenen Klimas. Am Montag besuchen wir gemeinsam verschiedene Weingueter und probieren ein paar herrliche Tropfen. Die Weine sind hervorragend und die Weingueter haben alle einen sehr unterschiedlichen Charme. Leider kann man auf dem Fahrrad nicht so viele Flaschen mitnehmen...

Am Dienstag durften wir Doris und Wolfgang auf einen Ausflug auf der Kettle Valley Railroad begleiten, den Doris fuer den oertlichen Newcomer Club organisiert hat. Mit einer Truppe von 10 Leuten fahren wir hoch ueber dem See auf der ehemaligen Eisenbahntrasse und geniessen die Ausblicke auf die Landschaft und die Brueckenbauwerke. Eine tolle Strecke, die ueber tiefe Taeler fuehrt. Danach gibt es ein gemeinsames Picknick mit tollem Ausblick auf den See.

Den Abend verbringen wir im `Gasthaus`ein urgemuetliches Lokal, dass so auch ueberall in Bayern oder Oesterreich stehen koennte. Die Speisekarte reicht von der Schweinshaxe bis zum Schnitzel und es gibt Weizenbier, worueber sich Uwe besonders freut.

Morgen werden wir Peachland und die Casa Lupo verlassen. Unser Weg wird uns jedoch nicht nach Vancouver fuehren, sondern Doris wird uns mit dem Wagen bis an die US-Grenze (ca. 100 km entfernt, bringen und den Grenzuebertritt ueberwachen. Da eine mit ihrer Freundin geplante Radtour wegen einer Erkrankung ausfaellt, wird sie uns in Leavenworth (Washington State) wieder einsammeln und bis Astoria an die Kueste nehmen. Dort geht es dann gemeinsam suedwaerts bis Coos Bay, wo sich unsere Wege wieder trennen werden. Fuer uns Richtung Sueden und fuer Doris zurueck nach Peachland.

Liebe Doris, lieber Wolfgang,

wir moechten uns ganz herzlich fuer eure grosszuegige und liebenswerte Gastfreundschaft bedanken. Wir hatten unvergessliche Tage in eurem schoenen Heim und hoffen, dass wir uns bei einem eurer Besuche in Deutschland einmal revanchieren koennen. Wir konnten bei euch entspannen und neue Energie fuer die weitere Reise tanken.

Jetzt freuen wir uns schon auf die gemeinsamen Radeltage mit Doris, wie in den alten Neusseeland-Zeiten...

07.09.2009 Peachland (Okanagan Valley)

Hallo miteinander. Wir haben gerade festgestellt, dass die Verlinkung mit den E-Mail Adressen ueber den Kontakt scheinbar nicht funktioniert. Wenn ihr  uwe@habebo.net oder simone@habebo.net in Euren E-Mail-Editor eingebt funktioniert es, aber nicht ueber den Link. Warum weiss nur der Herr Gates. Also, wer uns darueber eine Mail geschrieben  und keine Antwort erhalten hat, bitte nicht wundern oder boese sein.

Jasper - Lake Louise (Icefields Parkway)

29.8.2009 Golden, B.C.

Gedanken zum Icefields Parkway! Wenn uns jemand fragen wuerde warum wir uns diese Art des Reisens ausgesucht haben wuerde wir ihm nur antworten: "Der Icefields Parkway!". Im Auto oder RV kann man nicht das erleben und sehen was man als Radler oder Hiker spuert und fuehlt. Die Gerauesche und Gerueche am Wegesrand, die Gipfel und Eisfelder die sich langsam vor einem Aufbauen und wieder verschwinden, das Gluecksgefuehl bei segender Hitze den Sunwaptapass erklommen zu haben und die Enttaueschung erschoepft nicht bis zum Columbia Icefield rollen zu koennen, sondern die letzten 4 absolut flachen und geraden Kilometer durch den eiskalten Gletscherwind zur Schnecke verdammt mit 5 kmh dahinzukriechen und fast von der Strasse geweht zu werden. Diese Erlebnisse machen eine Reise unvergesslich. In den Touristenmassen am Columbia Icefield fuehlt man sich sogar mit den sonst etwas seltsamen Liegeradfahrern verbunden, die aehnliches fuehlen muessen.

Neben den netten und freundlichen kanadischen Reisenden und einigen wenigen Deuschen, gibt es aber auch wieder jede Menge Landsleute fuer die wir uns fremdschaemen. So z.B. der Leiter einer groesseren Wandergruppe, der die Parkrangerin mit den freundlichen Worten: "Wot du ju wand?" begruesste. "Money," ihre einfache Antwort. Auch fragen wir uns immer warum unser Landsleute kein freundliches "Hallo. Wohin des Weges?" herausbringen, sondern sich in ihrer Einzigartigkeit des Abenteurers in der kanadischen Wildnis beraubt fuehlen. Aetzend! Wirklich nett waren bisher die schweizer Langzeitreisende, die verwegenen Alaskaradler die wir getroffen haben oder die Deutschen die nach Kananda oder in die USA vor Jahrzehnten ausgewandert sind. (Hier werden wir eine neue Kategorie "Begegnungen" einfuegen und versuchen diese zu fuellen.)

Im Moment befinden wir uns in Golden und sind auf dem Weg ins Okanagan Valley zu Doris die wir bei unserer Neuseelandtour kennengelernt  haben. Wir freuen uns schon sehr auf das Treffen. Sie hatte uns ja abgeraten ueber den Kicking Horse Pass und den Trans-Canada-Highway zu fahren. Aber wir wollten ja nicht hoeren. Hoellischer Verkehr, eine sehr lange Baustelle, Dreck und Staub. Dabei wuerde der Yoho NP, durch den der Highway fuehrt, ohne ihn wohl eine hoehere Aufmerksankeit verdienen und auch bekommen.

Neue Bilder haben wir hochgeladen. Viel Spass beim Stoebern.

27.8.2009 Lake Louise, Alberta

Jasper ist eine kleine, nette Touristenstadt, wo wir uns auf unsere viertaegige Fahrt ueber den Icefields Parkway vorbereiteten. Da es unterwegs keine Ortschaften oder andere Versorgungsmoeglichkeiten gibt haben wir Verpflegung fuer diese Zeit in unseren Taschen verstaut und nach einem Ausflug auf den Hausberg von Jasper (The Whistlers) haben wir uns auf den weg gemacht.

Was soll man sagen? Der Icefields Parkway ist eine der Traumstrassen der Welt. Man kann ihn nicht beschreiben, nicht fotografieren und nicht malen. Man kann ihn nur bereisen, am besten mit dem Fahrrad. Wir haben jeden Moment genossen, insbesondere die fruehen Morgenstunden, wenn noch wenige Touristen unterwegs waren. Zwei Paesse mit jeweils mehr als 2000m Hoehe, Regen, Kaelte und Sonne haben uns einiges abverlangt, aber auch unbeschreibliche Momente beschert. Mit breitem Grinsen sassen wir auf dem Campground am Columbia Icefield und verspeisten Schokoriegel mit einem 1-Million-Dollar Ausblick auf die Gletscher, die uns umgaben. Bei Temperaturen um 3 Grad dauert das Fruehstueck und das Packen allerdings etwas laenger, da die Finger immer wieder aufgewaermt werden mussten.

Lake Louise hat uns dann erst mal einen Touristenschock verpasst. Hier wimmelt es von Reisebussen und Campervans die sich auf die wenigen Essensmoeglichkeiten und die Vorraete im Supermarkt stuerzen, als ob es morgen nichts mehr gaebe. Der Lake Louise selber ist trotz des ganzen Rummels ein lohnender Ausflug.

Yellowhead Highway 16 Eastbound

27.8.2009 Lake Louise, Alberta

Yip! Mer sind widder do! Gar nicht so einfach hier einen Internetzugang zu finden.

Die Zugfahrt von Smithers nach Jasper war aeusserst unterhaltsam, aber weniger wegen der Landschaft als vielmehr wegen der Zugbegleiter. So hatten wir doch Zweifel, ob die Raeder unverpackt mitgenommen wuerden so wie es in den Regularien der VIA Rail vorgesehen ist. Doch als wir den Zugbegleiter ansprachen zeigte er laeesig auf den Gepaeckwagen und sagte: Jaja, bringt sie nach vorne. Die Jungs werden sie verstauen. Wir hatten ja auch noch keine Fahrkarte, also sprachen wir ihn auch deshalb an: Jaja, er wuerde im Zug auf uns zukommen, Was er auch tat. Jedoch nur um uns darauf hinzuweisen, dass wir uns die Fahrkarten bitte am Abend in Prince Georg besorgen sollten und ihm am naechsten Morgen bei der Weiterfahrt geben sollten. Wir sollten aber unter keinen Umstaenden etwas von den Raedern erwaehnen. Gesagt getan. Die Fahrt war extrem billig.

Der Kerl hatte einen Superhumor und waere als gute Kopie von Bill Murray in "Lost in translation" durchgegangen. Leider hatte er ueberhaupt keine Ahnung von Geographie. Nein, Koeln liegt nicht in der Schweiz; Ost- und Westdeutschland gibt es auch schon laenger nicht mehr und die "Berlin Wall" hat nichts mit Pink Floyd zu tun.

Das wir mit der Bahnfahrt die richtige Entscheidung getroffen hatten, bestaetigten uns spaeter mehrere Radler, die diese Strecke gefahren sind.

18.08.2009 Smithers B.C.

Wir sind in Smithers angekommen und warten hier auf den Zug mit dem wir die doch recht uninteressante und sich durch endlose Kiefernwaelder ziehende Strecke nach Jasper ueberbruecken werden. Wie sagten die Einheimischen: "There is nothing, guys. Just woods and woods and bears and bears."

Bis Smithers ist der Yellowhead jedoch eine Traumstrecke. Er fuehrt entlang des Skeena Rivers bis Hazelton und dann weiter am Bulkley entlang. Der Skeena, an seiner Muendung sicherlich 1 km breit, verengt sich bis nach Hazelton auf gerade mal 50 m und fuehrt durch ein fjordartiges Tal mit Bergen die bis zum 2700 m hoch sind (Seven Sisters Peaks) und unmittelbar an seinen Ufern beginnen. Da z.B. Kitwanga, das an der Kreuzung des Yellowheads Highways mit dem Stewart-Cassiar-Highways liegt, gerade mal 160 m ueber N.N. liegt, ragen die Gipfel 2500 m ueber das Flusstal auf. Eine Fahrt durch eine grandiose, absolut einsame Landschaft. So liegt auf den 150 km zwischen Prince Rupert und Terrace ausser einigen Rest Areas ein einziges Haeuslein am Strassenrand. Das Kasiks Wilderness Resort. Hier haben wir uns nach drei Wochen im Zelt mal wieder ein Bett gegoennt. Auch traumhaft. Mit welchen einfachen Dingen man Menschen doch gluecklich machen kann.

Trotz der traumhaften Landschaft wurden wir auf dem Yellowhead immer wieder schlagartig von der harten Wirklichkeit eingeholt. Waehrend der ganzen Zeit fuhren wir immer mit zwiespaeltigen Gefuehlen. Der Highway wir auch "Highway of Tears" genannt, denn zwischen Prince Rupert und Prince Georg sind in den letzen drei Jahrzehnten mit steigernder Tendenz 22 junge Frauen verschwunden oder ermordet worden. Es handelt sich ueberwiegend um Angehoerige der First Nation, so dass der Polizei vorgeworfen wird, nicht intensiv genug nachforscht. So geniessen wir einerseits den Blick in Hazelton auf die Seven Sister Peaks und im naechsten Augenblick faehren wir an einem der riesigen Warnschilder "Hitchhiking...is it worth the risk?" vorbei.

Die Menschen die man hier trifft sind sicherlich freundlich und hilfsbereit, aber auch rauher und einsilbiger als noch weiter im Sueden. Die Menschen sind so wie die Landschaft in der sie leben und im Winter ist dies hier sicherlich sehr hart. Bei durchschnittlichen Schneehoehen von 300 cm und Temperaturen bis zu - 30 Grad kein Zuckerschlecken. So tief ist das Thermometer bisher noch nicht gefallen, aber es gab schon einige Tage an wir morgens mit Muetze gefruestueckt und auf dem Fahrrad die langen Handschuhe getragen haben. Von Regen sind wir bisher verschont geblieben, aber baden in Fluessen und Seen ist sicherlich nicht mehr die Nummer 1 auf unserer Wunschliste. Eine Tankstelle und ein heisser Tee schon eher. 

Morgen werden wir den Yellowhead Richtung Jasper verlassen und heute nochmal auf dem bisher "lustigsten" Campground naechtigen. Einem Golfplatz. So koennen wir morgens schon Leuten beim Golfen zuschauen waehrend wir fruehstuecken. Mist, warum haben wir eigentlich nicht unsere Golfschlaeger eingepackt?

Bis demnaechst.

14.08.2009 Terrace B.C.

Neue Bilder sind hochgeladen.

Vancouver Island

9.8.2009 Port Hardy

In den letzten 2 Wochen haben wir die Strecke bis zum Nordende von Vancouver Island zurueckgelegt. Von Nanaimo ging es entlang der Kueste ueber Courtenay und Campell River nordwaerts. Wir hatten gedacht, dass wir die Badesachen fruehstens in Kalifornien brauchen wuerden, aber in den letzten 2 Wochen hat es hier keinen Tropfen geregnet und es hatte jeden Tag mindestens 30 Grad gehabt. Also haben wir es genussvoll mit jeder Menge Badetagen angehen lassen. Es gibt hier jeden Menge Badeseen und auch Fluesse die dazu einladen. Der schoenste Spot war der Puntledge River in Courtnenay. Der Campground wurde von Angehoerigen der First Nation (Comox-Clan) betrieben und es gab dort einen eigenen Zugang zum Fluss. Ein wunderschoener Ort, obwohl es hier zum ersten mal eine Baerenwarnung gab. Die Betreiber des Campgrounds schienen nicht weiter beunruhigt und erwaehnten beilaufig, dass auch vor kurzem ein Puma gesichtet worden sei. Vertrauen ist gut, die Futtersachen sicher verstauen besser!

In Campbell River angekommen bereiteten wir uns auf die Wildnis vor, denn Campell River ist der letzte Aussenposten der Zivilisation auf Vancouver Island bevor man Port McNeill erreicht. Auf dem Weg gibt es nur wenige Orte und Versorgungsmoeglichkeiten. Sayward Junction, Woss und als naechstes Port McNeill. Hinter Campell River beginnt Kanada wie man es aus den Prospekten kennt. Waelder, Berge Seen. Die Baerengloeckchen wurden erstmals aktiviert. Bis Sayward Junction ging es schweisstreibende Kilometer lang bergauf und wir merkten nach den etwa 70 km was wir geschafft hatten...da wussten wir noch nicht, was uns am naechsten Tag bevorstand. Entgegen unserer Vorstellung in Sayward auf eine runtergekommene Tankstelle zu treffen und einen duesteren, verwilderten Campground vorzufinden, haette man die Haeuser ohne weiteres in jede gepflegte Vorstadt von Vancouver umsiedeln koennen. Anders unser naechster geplanter Stop...Woss. Dort sollte es einen unbewirtschafteten Campground geben. In Woss gab es die runtergekommen Tanke, das verlotterte Motel und eine 5 km lange Schotterpiste zum Woss Lake, wo wir auf einen duesteren, verwilderten Campground stiessen auf dem sich einige Jugendliche bei lauter Musik recht stark alkoholisierten. Also befolgten wir den Rat unserer schweizerischen Freunde und hoerten auf unseren Bauch. Weiterradeln. 

Der Nimpkish Lake war die naechsten Moeglichkeit fuer einen Zwischenstop. Die Angestellte in der Tanke meinte, dass die Entfernung 10 Minuten mit dem Auto seien. Das ist auf Vancouver Island die uebliche Methode Entfernungen anzugeben. Eine Aussage zur Entfernung in metrischen Einheiten konnten wir ihr nicht entlocken. Also nach harten 76 km mit erheblichem Gegenwind weitere geschaetzte 20 km. Aus den 20 km wurden dann 26 km und ein Campground war am Nimpkish Lake nicht ausgeschildert bzw. nicht auffindbar. Der Wegweiser RV & Camping fuehrte uns auf einen verlassenen Schrottplatz, das Hinweisschild Campsites auf eine Schottterpiste in den Wald die sich irgendwann gabelte ohne weiteres Hinweisschild. Nach einer weiteren halben Stunde Suche waren wir schon soweit bis nach Port McNeill durchzufahren, als endlich ein Auto von irgendwoher auftauchte und der Fahrer uns den Weg zum Nimpkish Lake und dem Campground erklaerte. Nach 112 km waren wir einfach nur froh auf einem simplen, aber wunderschoen gelegenen Campground gelandet zu sein. 

Die Strecke fuer den naechsten Tag waren einfach gedachte 40 km bis Port McNeill. doch nach dem vorherigen Tag waren die Beine doch recht schwer und die Strecke ging staendig auf und ab. Nach etwa 30 km machten wir eine kurze Pause. Uwe trat gerade einmal aus, als Simone zusammenzuckte: Ein Schwarzbaer querte etwa 100 m vor ihr die Strasse. Zack! Erstmal Nahrungssicherung! Kekse wegpacken. (Meine Kekse bekommst du nicht!) Dann erschrocken gucken. Was jetzt? Wo einer ist koennen auch mehrere sein und auf dem Fahrrad haben wir ja nicht gerade eine grosse Knautschzone. Also Baerenspray auspacken, Mut zusammennehmen und laut klingelnd an der Stelle vorbeiflitzen. Scheinbar war kein anderer mehr da, denn ohne Zwischenfall, aber mit einer gehoerigen Portion Respekt und dem Wissen, dass da ja wirklich Baeren sind erreichten wir Port McNeill und schliesslich auch Port Hardy. 

Morgen frueh geht es dann weiter auf die Faehre und nach Prince Rupert. Bis dann! Bilder versuchen wir beim naechsten Mal wieder hochzuladen. Denn wir befinden uns hier auf einem Flecken der Erde auf dem DSL nicht verfuegbar ist.


Vancouver

Angekommen! Nach einer ueberraschend problemfreien Flugreise mit Condor sind wir und unsere Raeder sicher und ohne Blessuren in Vancouver angekommen. Vancouver empfing uns mit sonnigem Wetter und freundlichen Menschen. Wo sonst in der Welt laufen Flughafenangestellte ohne dass wir danach gefragt haetten durch den halben Flughafen und besorgen uns Stadtplaene und erklaeren uns den Weg vom Flughafen in die Stadt. Wo sonst begruessen einen die Einwohner eines so grossen Landes mit einem riesigen Feuerwerk, das Rhein in Flammen erblassen laesst...ok, vielleicht haetten sie das Feuerwerk auch veranstaltet, wenn wir nicht nach Kanada gereist waeren.

In Vancouver haben wir erst einmal die wichtigsten Highlights abgeklappert. Stanleypark, Gastown, Chinatown, Downtown. Eine maritime Stadt mit herrlichen Straenden vor der Kulisse von schneebedeckten Bergen. Natuerlich haben wir auch hier unseren Tempel entdeckt, nur hier heisst er MEC, wo wir uns erst einmal fuer die Wildnis bewaffnet haben (Baerengloeckchen und Pfefferspray). We are armed! Also ihr Baeren, zieht euch warm an.

Nach vier Tagen in Vancouver sind wir dann endlich mit den Radern Richtung Horseshoe Bay, dem Faehrhafen nach Vancouver Islands gestartet. Das Wetter und die Strecke waren schweisstreibend. Mit der BC Ferry ging es nach Nanaimo wo wir uns einen steilen Schlussanstieg bis zum Westwood Lake empor gequaelt haben. Und das alles bei 30 Grad im Schatten! Doch ein Sprung in den See entschaedigt fuer alles. Was fuer ein Vergnuegen.

Morgen werden wir dann nach Norden Richtung Port Hardy starten. Also bis demnaechst.

Frankfurt

Am Montag hiess es erst einmal Abschied nehmen von unseren Familien und unserer vertrauten Umgebung. Wir stiegen mit gemischten Gefuehlen in den Flieger, aber auch mit der Vorfreude was uns erwarten wird. Spaetestens beim Flug ueber Groenland mit seinen herrlichen Gletschern und eisbedeckten Bergen ueberwog die Vorfreude und als wir die Rockies ueberflogen waren unsere Gedanken nur noch in die Zunkunft gerichtet.

 

 

 

 

 

 

HomeÜber unsRouteBerichteFotogalerieAusrüstungReisezitateLinksKontakt